Comedian Sebastian Pufpaff präsentierte feinste Comedy im Bad Hersfelder Buchcafé

Grenzen ständig neu ausgelotet

Sebastian Pufpaff im Buchcafé. Foto: Rödiger

Bad Hersfeld. Er stellt sich philosophische Fragen, an die wahrscheinlich noch keiner vor ihm gedacht hat und beweist damit unter anderem, dass die Grenzlinie zwischen Genie und Wahnsinn nur sehr dünn sein kann. Kostprobe gefällig: Warum tragen Hütehunde keine Hüte? Oder Warum schreibt man ausgerechnet „lispeln“ in der Mitte mit „s“? Die Rede ist von Sebastian Pufpaff, seines Zeichens studierter Politikwissenschaftler, Humorist und einer der Comedy-Newcomer der vergangenen Jahre. Er gastierte jetzt im Bad Hersfelder Buchcafé, das für dieses Kabarett-Event definitiv zu klein war.

Seltsamer Nachname

Zu Beginn seines Solo-Programms „Warum!“ beschreibt Sebastian Pufpaff die vielen prägenden Situationen seiner Kindheit, die ihm mit seinem seltenen und seltsamen Nachnamen das Leben erschwert haben und ihm praktisch keine andere Wahl ließen, als in die Offensive zu gehen und Comedian zu werden. Tatsächlich ist Pufpaff sein wirklicher und kein Künstlername.

Sebastian Pufpaff liebt die Interaktion mit dem Publikum, häufig lässt er die Zuschauer seine Gedankengänge weiter spinnen und freut sich diebisch über jedes eindeutig zweideutige Wortkonstrukt, welches dabei neu entsteht. Sein Bühnen-Tempo ist geradezu unglaublich, während er seinen Gedanken scheinbar freien Lauf lässt und zwischen Themen wie Alterspyramide, Religion, Handygeneration, Bundespolitik, Übergewicht und Bildungsniveau der Deutschen hin und her schaltet, hinterfragt er oft zutiefst unmoralische und zweifelhafte Fehlentwicklungen in unserer modernen Gesellschaft. Dabei scheut er auch vor grenzwertigen Betrachtungen nicht zurück und lotet ständig neu die Grenzen des guten Geschmacks aus.

Wenn er sich dann auf ein Thema eingeschossen hat, wie etwa die katholische Kirche und deren Skandale der letzten Zeit, dann sprudeln die Ideen nur so aus ihm hervor. Den Skandal um den verschwenderischen Limburger Bischof nennt er grinsend einen Kardinalsfehler und Kirchenaustritte bezeichnet er wortwitzig als Pfarrerflucht.

Sein Humor ist feinsinnig und brutal zugleich und sein Tempo lässt den Zuhörern oft kaum Zeit zum Nachdenken, eine gute Pointe jagt die andere – da sind erste Lachkrämpfe schon nach kürzester Zeit zu erwarten. Als dann tatsächlich die eine oder andere Zuhörerin nicht mehr aufhören kann zu lachen, macht Pufpaff mit einem verschmitzten Lächeln gerade solange Pause bis die Zuschauerin wieder Luft holen kann und startet dann sofort wieder durch zu weiteren Attacken auf das Zwerchfell seiner Zuhörer.

Hautenges Kostüm

Das Bad Hersfelder Publikum forderte nach nahezu zweieinhalb Stunden feinster Comedy lautstark applaudierend eine Zugabe, und Sebastian Pufpaff legte umgehend kräftig nach. Unter seinem dunklen Maßanzug trug er ein hautenges, schrill glänzendes Ballettkostüm, in welchem er für seine neuen Freundinnen und Freunde aus Bad Hersfeld mal eben einen kleinen, nicht uneleganten Freudentanz aufführte.

Von Werner Rödiger

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