Etwa 40 Arbeitsplätze sollen betroffen sein - Betriebsrat spricht von "schlimmer Zeit des Wartens"

Grenzebach BSH in Bad Hersfeld baut weitere Stellen ab

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Die Firma Grenzebach in Bad Hersfeld an der Wippershainer Straße.

Bad Hersfeld. Beim Maschinenbauer Grenzebach BSH in Bad Hersfeld sollen weitere Stellen abgebaut werden. Das teilte das Unternehmen jetzt mit. In einer Pressemitteilung ist von insgesamt circa 40 betroffenen Arbeitsplätzen die Rede. Zurzeit arbeiten rund 300 Menschen am Standort.

Die Mitarbeiter wurden am Dienstagabend über den geplanten Stellenabbau informiert, der aufgrund des anhaltend schwachen Investitionsklimas nicht mehr zu vermeiden sei. Gespräche mit dem Betriebsrat seien aufgenommen worden.

"Grenzebach BSH ist ein High-Tech-Unternehmen mit hoher Fachkompetenz in einem sehr differenzierten Produktspektrum für die Baustoff- und verfahrenstechnischen Industrie. Das Unternehmen hat einen Exportanteil von circa 90 Prozent und leidet seit einiger Zeit unter den Auswirkungen der geo-politischen Lage", heißt es in der Pressemitteilung.

Neben den Sanktionen gegenüber Russland beeinflussten vor allem die Rezession in südamerikanischen Schlüsselmärkten sowie die nur sehr langsam voranschreitende Öffnung des Marktes im Iran die Entwicklung. Auch die wirtschaftliche Erholung in den USA benötige deutlich mehr Zeit als geplant. Die jüngsten Ereignisse in der Türkei sorgten zudem für einen weiteren Rückschlag in den konkreten Auftragserwartungen.

Als Konsequenz müsse sich der Standort mittelfristig auf ein niedrigeres Auftragseingangs- und Umsatzniveau einstellen. 

"Schlimme Zeit des Wartens"

Welche Stellen genau betroffen sind und ab wann, das sei derzeit noch völlig offen, so der Betriebratsvorsitzende Hans-Heinrich Sauer auf Nachfrage. Es werde in allen Bereichen geschaut, wo es Einsparpotenziale gebe. Dabei gelte, dass das Unternehmen natürlich handlungsfähig bleiben müsse.

Für die geschockten Mitarbeiter beginne nun eine schlimme Zeit des Wartens. Sauer bezeichnete die aktuellen Entwicklungen als sehr bedauerlich und sprach von einem Tiefpunkt.

In den kommenden Tagen und Wochen müsse man sich nun mit den Plänen auseinandersetzen und gemeinsam mit der Geschäftsführung alle Möglichkeiten ausloten, um den Stellenabbau möglichst sozialverträglich zu gestalten und eventuell auch auf weniger als die genannten 40 Stellen zu kommen. Er wolle den Verhandlungen nun aber auch nicht vorgreifen.

Um dem schon länger anhaltenden Preis- und Kostendruck zu begegnen, hatte Grenzebach bereits im vergangenen Jahr ein umfangreiches "Optimierungsprogramm" gestartet. Dieses zielt neben der Steigerung des Auftragseingangs vor allem auf die Optimierung der Geschäftsprozesse und die nachhaltige Reduktion der Materialkosten ab.

„Bisher haben wir darüber hinaus versucht, die schwache Geschäftslage durch eine längere Phase der Kurzarbeit und die Nutzung von Vorruhestandsregelungen zu kompensieren“, erklärt Standortleiter Franz Wilbois. „Wir haben uns mehr Zeit für die Restrukturierung genommen als einige unserer Wettbewerber. Es schmerzt uns sehr, dass die Maßnahmen nicht ausreichen und nun auch wir Anpassungen beim Personal nicht mehr vermeiden können“.

Trotzdem optimistisch

Dennoch blickt das Unternehmen optimistisch in die Zukunft und investiert in Entwicklungsprojekte, wie in eine neuartige Platte für den Innenausbau. Durch die Erweiterung von Kompetenzen im Bereich Dämmstoffe würden das Produktportfolio erweitert, neue Märkte erschlossen und langfristig die Position gegenüber dem Wettbewerb gesichert.

In Zusammenarbeit mit deutschen und internationalen Forschungsinstituten werde darüber hinaus an innovativen Lösungen im Bereich der solarthermischen Anwendung gearbeitet. „Wir wissen, dass es Zeit braucht, bis die aktuellen Entwicklungsprojekte ihre volle Marktreife erreichen“, erläutert Wilbois weiter.

Umso wichtiger sei es, dass in das Kompetenzzentrum für Forschung, Entwicklung, Planung und Lieferung von Anlagen für die Baustoff- und verfahrenstechnische Industrie in Bad Hersfeld investiert werde. Um mit seinem technologischen Know-How auch weiterhin zu den Weltmarktführern zählen zu können, sei bereits zu Beginn des Jahres die Fläche des hauseigenen Technikums verdoppelt worden.

Neben der Technik will das Unternehmen darüber hinaus intensiv die Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter förden. Auch künftig werde eine Ausbildungsquote von mehr als zehn Prozent angestrebt. „Das nachhaltige Engagement in die Ausbildung und das duale Studium sind für uns von zentraler Bedeutung, um unsere Fachkompetenz am Standort Bad Hersfeld zu erhalten und auszubauen“, so Wilbois. (red/nm)

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