Fotoausstellung in der Wandelhalle zu Natur, Kunst und Kunsthandwerk eröffnet

Grenze neu entdecken

Die fantastischen Fotos machen neugierig auf das Grüne Band vor unserer Haustür. Fotos: Schmidl

Bad Hersfeld. Sieben Jahre war Dr. Reiner Cornelius vom Bund Naturschutz Hessen (BUND) am Grünen Band, Deutschlands längstem Biotopverbund, unterwegs. Anhand seiner Recherchen entstand die sieben Bände umfassende Buchreihe „Vom Todesstreifen zur Lebenslinie“ mit zahlreichen Tourenvorschlägen für Wanderer und Radler. In der vom noch jungen Hersfelder Verein „Heimat entdecken“ und der Stadt Bad Hersfeld gemeinsam organisierten Ausstellung präsentieren die Bildautoren der genannten Buchreihe ihre besten Fotos.

Dr. Reiner Cornelius selbst stellte bei der Vernissage am Sonntag im Kurhaus vor zahlreichen interessierten Besuchern das ehemalige „Niemandsland“ vor, im Amtsdeutsch „vorgelagertes Hoheitsgebiet der DDR“ genannt.

Ein Stück Wildnis

Wo Jahrzehnte lang die ehemalige innerdeutsche Grenze rücksichtslos das Land auf knapp 1 400 Kilometer Länge durchschnitt, hat sich im nur etwa 50 bis 100 Meter breiten Grenzstreifen ein Stück Wildnis entwickelt. Cornelius steuert unter anderem gestochen scharfe Bilder von Orchideen und Enzianen dazu und hat sich nach vielen Gesprächen mit den Menschen vor Ort auch dem Brauchtum gewidmet.

Herausragende Tierportraits präsentiert Dieter Damschen, der zur Spitzenriege der deutschen Naturfotografen gehört. Zwischen Stacheldraht und Grenzpatrouillen haben auch bedrohte Tiere wie Schwarzstorch, Luchs und Wildkatze eine Heimat gefunden. Klaus Leidorf, früher Archäologe, jetzt Berufsfotograf und Berufsflieger, hat für das Bundesamt für Naturschutz das Grüne Band abfotografiert. Dazu gehören auch die Werraschleifen bei Herleshausen.

Für die hiesige Region besonders interessant sind auch die Fotos des 84-jährigen Zeitzeugen Gustav Beck. Die innerdeutsche Grenze überwand der Philippsthaler in seinen Berufsjahren mit einem Passierschein, um seine Arbeitsstelle in Vacha zu erreichen. Hier lernte er auch seine Frau kennen und lieben und hat auch dadurch eine ganz besondere Beziehung „nach drüben“.

120 Bilder sind in der Ausstellung zu sehen. Fotograf Udo Heisinger aus Niederaula hat den großformatigen Bildern den richtigen Rahmen angepasst. An den Kosten dafür beteiligte sich auch die Sparkasse Hersfeld-Rotenburg, die von Christina Fischer vertreten wurde.

Da das Grüne Band eine nationale Dimension hat, werden die Bilder in der Wandelhalle zum ersten Mal nach vierzehn Tagen und zum zweiten Mal nach vier Wochen ausgetauscht. Während in der ersten Serie die Grenzgeschichte dargestellt wird, geht es dann auf Reisen entlang des Grünen Bandes von der Ostsee bis zum Dreiländereck Bayern-Sachsen-Tschechien.

Erster Stadtrat Dr. Rolf Göbel, der die Ausstellung eröffnete, erinnerte an die massive Bedrohung durch das Fulda-Gap in unserer grenznahen Region. Jörg Bennedik, Kreisvorsitzender des BUND, betrachtet das traurige Kapital deutscher Geschichte von zwei Seiten: „Für die Menschen war es schlecht, für die Natur gut“.

Bildertausch am 24. 9.

Die musikalische Umrahmung der Vernissage übernahm Max Reuning am Klavier. Gunhild Classen-Cornelius, Vorsitzende des Vereins „Heimat entdecken“, kündigte anlässlich des ersten Bildertausches am 24. September eine weitere Veranstaltung an. Die Wandelhalle ist täglich von neun bis 19 Uhr geöffnet.

Von Gudrun Schmidl

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