Greifbare Ängste und eine überfällige Entscheidung

Karl Schönholtz

Trotz des Probenstarts bei den Festspielen mit ganz vielen Stars: das Thema der Woche war die Räumung des Grundstücks beim sogenannten Müllkünstler in Obergeis. Denn die Aktion hat deutlich gemacht, dass es nur vordergründig um die Optik, um Sauberkeit und Ordnung ging. Die Ängste der Anwohner, die seit Jahren unter den Eskapaden ihres unbequemen Nachbarn leiden, waren auf einmal mit Händen zu greifen.

Die vorübergehende Einweisung des Störenfrieds in die Psychiatrie hat zwar den Müll-Entsorgern die Arbeit erleichtert, das Problem aber nicht gleich mit beseitigt. Denn für die dauerhafte Unterbringung eines vermeintlich gestörten Menschen auch gegen dessen Willen hat die Justiz aus gutem Grund hohe Hürden gesetzt. Jetzt gilt es aufzupassen, dass die Geschichte nicht wieder von vorne beginnt. Gemeinde, Polizei und Justiz dürfen die Nachbarn am Hof Erzebach nicht alleine lassen.

Die Diskussion um die Etat-Erhöhung und die Anmietung von technischem Equipment bei den Bad Hersfelder Festspielen hat einmal mehr deutlich gemacht, dass die Überlegungen, das Festival aus dem städtischen Haushalt heraus in eine eigene Gesellschaft zu überführen, im Grunde überfällig sind. Als „nicht mehr zeitgemäß“ bezeichnet Bürgermeister Thomas Fehling den Status Quo. Schnelle Entscheidungen, wie jetzt von der unter Zeitdruck stehenden Intendanz gefordert, seien mit dem gegenwärtigen Konstrukt „eigentlich nicht machbar“. Tatsächlich kann bezweifelt werden, ob die Sinnhaftigkeit von dieser oder jener Ton- und Lichttechnik im politischen Klein-Klein von Magistrat und Auschuss besprochen werden muss.

Außen vor wäre die Stadt auch bei einer Ausgliederung nicht, denn als Kontrollinstanz einer Festspiel-GmbH würde ja ein mit den Stadtverordneten und Magistratsmitgliedern besetzter Aufsichtsrat installiert. Der würde allerdings nicht öffentlich tagen. Die publikumswirksamen Redebeiträge aus dem Stadtparlament wären dann Geschichte ...

Die Team-Lösung, mit der die Bad Hersfelder Feuerwehr ihr Führungsproblem in den Griff bekommen möchte, hat auch den Beifall von Bürgermeister Thomas Fehling gefunden.

Der lobte im Gespräch mit unserer Zeitung ausdrücklich die Bereitschaft der Wehrführer aus den einzelnen Stadtteilen, künftig im Wechsel Verantwortung zu übernehmen, bis sich ein ausreichend qualifizierter Kandidate für den verwaisten Ehrenamts-Posten des Stadtbrandinspektors findet.

Denn auch Fehling ist bewusst, dass der Spagat zwischen einer Aufwandsentschädigung von monatlich 190 Euro und der Zuständigkeit für den vorbeugenden Brandschutz bei der Bauaufsicht nicht ohne Weiteres zu bewältigen ist: da braucht es mehr als einen gutwilligen Feuerwehrmann.

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