HZ-Mitarbeiterin auf Tour in einem Oldtimer, der in keinem Gangsterfilm fehlen darf

Mit Gorillas im Nebel

Ein buntes Blumensträußchen samt Vase ziert das Handschuhfach: So hätte man sich den Innenraum einer „Gangsterlimousine“ nicht unbedingt vorgestellt. Da war wohl eher Bonnie und nicht Clyde am Werk. Alle Fotos: Knoth

Bad Hersfeld. Halbautomatische Maschinengewehre auf der Rückbank und einen kleinen Blumenstrauß in einer Porzellanvase vorn am Handschuhfach zeigt ein Blick ins Innere der „Gangsterlimousine“ Citroen 11B. Das sogenannte „Koffermodell“ rumpelt mit vielen anderen Oldtimern die Johannesstraße hinauf, unterwegs zum Startpunkt der Orientierungsfahrt.

Von „Da fährt ja James Bond!“ bis „Guck mal Schatz, die Olsen-Bande!“ reichen die Kommentare, als der Wagen sich unter den Blicken der Passanten im Schritttempo über den Linggplatz bewegt. Der Sonnenschein hat viele Zuschauer in die Innenstadt gelockt. Einige kommen ans Fenster, um mit dem Fahrer zu plauschen.

Mit ihren dunklen Anzügen, Sonnenbrillen, Borsalino-Hüten, Krawatten mit Banknotenmuster und nicht zuletzt den falschen Zigarren im Mundwinkel geben die Insassen sich deutlich als Mafiosi zu erkennen. „Clyde kann ich heute zwar nicht sein, weil meine Frau keine Zeit hat, die Bonnie zu spielen. Aber nennen Sie mich doch Al Capone“, scherzt Fahrer Wolfgang Kerst. Als Ersatzbeifahrer hat er seinen alten Freund Hartmut Ziehn ausgewählt.

Tiger unterm Tankdeckel

Nur drei Gänge hat der Franzose mit Baujahr 1952 zu bieten. Wenn der Motor gestartet wird, meint man fast, dass hier tatsächlich ein Tiger im Tank steckt. Anders ist der Krach, der schon bei 50 Stundenkilometern entsteht, eigentlich nicht zu erklären. Wie der Oldtimer röhrt, wenn er tatsächlich die vom Tacho versprochenen 150 Stundenkilometer schafft, darüber will man gar nicht erst nachdenken.

Ein Blick nach vorn zeigt, dass gerade mal sechs Knöpfe das Armaturenbrett zieren. Keiner davon sieht aus, als würde er zu einer Lüftung gehören. Deshalb sind die Scheiben wohl auch schon vor dem Start leicht angelaufen. „Aber die Frontscheibe kann man gute 15 Zentimeter runterkurbeln, das gibt Durchzug“, erklärt Kerst und lacht.

Verfolgungsjagd inbegriffen

Quer durch Bad Hersfeld geht die wilde Jagd nach Zahlen und Buchstaben auf gerade mal DIN-A4-großen Zetteln am Wegesrand. Schnell hat man sich beim Interpretieren der Wegbeschreibung verfranst und so steht die tiefschwarze Limousine plötzlich im Vlämenweg und keiner weiß so recht, wo es weitergehen soll. Hätte man vorhin doch rechts statt links abbiegen sollen? Da hilft nur eine Verfolgungsjagd in echter Gangstermanier. Einfach an den nächstbesten Oldtimer ranhängen und hoffen, dass der andere besser versteht, was die kleinen Pfeile auf der Karte zu bedeuten haben.

Ganz ohne Sicherheitsgurte, Kopfstützen oder gar Airbags kriegt man in scharfen Kurven dann doch ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Das wird auch dadurch nicht besser, dass die Koffer und Maschinenpistolen, mit denen man sich den Rücksitz teilt, in jeder Kurve ein bisschen näherrücken. Zumindest gibt es im Kofferraum einen Verbandskasten. Da der aber auch aus den 50er Jahren stammt, bleibt nur zu hoffen, dass sein Einsatz gar nicht erst erforderlich wird.

Dabei sein ist alles

Als die „Mafiosi“ nach beinahe dreistündiger Orientierungsfahrt durch Stadt und Wald zum dritten Mal den Marktplatz umrunden und der richtige Weg in weite Ferne gerückt zu sein scheint, werfen die beiden schließlich das Handtuch. Enttäuscht über ihre „Niederlage“ sind sie aber nicht. Ganz entgegen dem Klischee, dass Banditen grundsätzlich harte Kerle sind, die niemals aufgeben, gilt für die beiden nämlich „Dabei sein ist alles“. (ck)

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