Der Bad Hersfelder Alexander Abshagen hat „Faust: Dritter Teil“ geschrieben

Wo Goethe daneben liegt

Neuer Dichterfürst: Alexander Abshagen mit seinem Faust 3. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Er war Rechtsanwalt, Journalist und Bauträger. Doch jetzt ist Alexander Abshagen ausschließlich Schriftsteller. Und in diesem Beruf misst sich der in Eisenach lebende Hersfelder mit einem ganz Großen der deutschen Literatur – mit Goethe.

Dessen beiden Faust-Dichtungen hat der 66-Jährige einen dritten Teil hinzugefügt. Auf mehr als 300 Seiten beschäftig sich das Buch mit den Kausalitäten der deutschen Geschichte. „Bismarck ist Faust“ hat Abshagen sein in Knittelversen verfasstes Werk betitelt, von dem er selbstbewusst behauptet, dass es Goethe eines grundsätzlichen Irrtums überführt.

Dieser stelle in seinen beiden Faust-Gedichten das Gute über das Böse, weil Gott den Teufel benutze, um den Menschen ihre Fehlbarkeit vor Augen zu führen, argumentiert Abshagen. Die Geschichte habe jedoch gezeigt, dass Gut und Böse auf Augenhöhe konkurrierten, und wenn nicht, dann mit einer Neigung zum Verderblichen.

Alexander Abshagen thematisiert aus dieser Erkenntnis das Streben von Persönlichkeiten wie eben Bismarck, Richard Wagner und des Generalfeldmarschalls von Moltke im Streben nach „Über-Macht“. „Sie und andere willensstarke Menschen waren Vorbereiter für das Spiel des Teufels“, erklärt der neue Dichterfürst seinen Ansatz, die geschichtliche Entwicklung des 19. Jahrhunderts hin zur deutschen Einheit aufzublättern.

Dass er dafür ein vergleichsweise schlichtes Versmaß gewählt hat, sei der Verständlichkeit geschuldet. „Ich muss nicht beweisen, dass ich auch andere Versmaße beherrsche“, sagt Abshagen, der sich schon als Schüler intensiv mit Bismarck und Goethe beschäftigt hat. Ersterer diente ihm im Internat dazu, durch eine Jahresarbeit den Rückenschmerzen beim Strandhaferpflanzen zu entkommen. Und Goethe war sein Abiturthema: „Faust hat mich schon immer fasziniert.“

Seinen eigenen Faust sähe Abshagen gerne auf der Bühne. Zwar ist er sich bewusst, dass er eher ein „Lese-Drama“ in aufeinander folgenden Monologen verfasst hat als ein Theaterstück, doch eine Dramatisierung hält er grundsätzlich für machbar. Auch vom Publikumsinteresse ist er überzeugt, wie er angeregten Diskussionen mit Literaturwissenschaftlern und dem Zuspruch der Zuhörer bei seinen Lesungen entnimmt.

Damit aber nicht genug: Den vierten Teil der Faust-Dichtung hat Abshagen bereist in Arbeit, auch ein Krimi „mit künstlerischem Anspruch“ wird bald zu lesen sein.

Alexander J.J. Abshagen, „Faust: Dritter Teil – Bismarck ist Faust“, 344 Seiten, Von Goethe-von Bismarck-Verlag, 24,90 Euro. ISBN 978-3-00-049213-6

Von Karl Schönholtz

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