Siegfried Heinrich eröffnete Festspielkonzerte 2013 mit gehaltvollen Bach-Programmen

Glücksmusik mit Stil

Der Hersfelder Festspielchor unter Leitung von Professor Siegfried Heinrich wurde beim zweiten Festspielkonzert wieder begleitet vom Orchester Sinfonia Silesia Kattowitz. Foto:  privat

Bad Hersfeld. Bis nach Kiew und Katowice exportiert Professor Siegfried Heinrich die Musik Johann Sebastian Bachs. Nicht allein, dass er dort, in der Ukraine und in Südpolen, probt und konzertiert, er holt seine Ensembles auch ins Hessenland. Aus Kattowitz seit bald 30 Sommern schon die Sinfonia Silesia, die Festival-Formation der Nationalen Radio-Sinfoniker, des bedeutendsten Orchesters in Polen. Im Lauf der Jahre ist ihre Bach-Kompetenz enorm gewachsen – wie zum Auftakt der Bad Hersfelder Festspiel-Konzertfolge 2013 zwei Nachmittage mit wohldurchdachten Mischprogrammen zeigten: Die beiden D-Dur-Ouvertüren (= Orchestersuiten) BWV 1068 und 1069 jeweils am Beginn, die Violinkonzerte a-Moll und E-Dur BWV 1041 und 1042 in der Mitte, die weltliche Kantate „Schweigt stille, plaudert nicht“ BWV 211, die „Kaffee-Kantate“, in halbszenischer Darbietung bzw. das geistliche „Magnificat“ D-Dur BWV 243 am Schluss.

Die beiden „Ouvertüren“ nutzte Heinrich, um das melodische Element zu betonen. Lässt sich etwa der Melodienzug im Menuetto II von BWV 1069 einmütiger, zärtlicher, doch auch substanzvoller ausführen als von der 15-köpfigen polnischen Streichergruppe? Und die stark geforderten solistischen Bläser leisteten ebensolche Maßarbeit hier wie im „Magnificat“. Sie verdienen die Einzelnennung: Maria Grochowska und Malgorzata Otreba (Flöte), Karolina Stalmachowska, Patrycja Korniluk und Izabela Berdy (Oboe und Oboe d’amore) sowie Kamil Barciok, Sylwester Poks und Antoni Adamus (Trompete).

Der Hersfelder Festspielchor votierte mit Lockerheit, Deutlichkeit, Bildhaftigkeit ein weiteres Mal für das Singen als höhere, ja schönste Form des Sprechens. Nicht anders die fünf Solisten, von denen Lisa Rothländer (Sopran I), Anna Retczak (Alt) und Stephan Scherpe (Tenor) die edelsten Stimmen haben, Julie Grutzka (Sopran II) noch auf dem Weg dahin ist und Xiao-Feng Cai (Bass) die Deklamation etwas übertrieb. Schlank wie ihre Körpergestalt modellierte die Frankfurter Geigerin Katharina Wildermuth im Sonntagskonzert den Solopart in BWV 1042. Auch sie zieht die Melodien, besonders im Adagio-Mittelsatz, sorgsam aus und paart in den Ecksätzen Temperament mit Stil und Gefühl. Reicher Beifall der knapp 500 Besucher in der Stiftsruine, aber noch kein Ende der Glücksmusiken.

Gedenken an Boehmer

Den Schlussteil der Messe h-Moll BWV 232, das „Dona nobis pacem“, gab’s als Vorgeschmack auf die Gesamtaufführung am 30. November, das „Air“ aus der Ouvertüre BWV 1068 zum Gedenken an den verstorbenen Altbürgermeister Hartmut H. Boehmer, verbunden mit einem Dankeswort Alf Rothes, des Vorsitzenden im Arbeitskreis für Musik.

Von Siegfried Weyh

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