Kulturbund: Lesung von Wladimir Kaminer in der Stadthalle war ein Publikumserfolg

Das Glück im Garten

Wladimir Kaminer signiert Bücher für seine Fans in Bad Hersfeld. Foto: ast

Bad Hersfeld. „Ich fühle mich vom Hersfelder Publikum verstanden“, so verabschiedete sich der als Kultautor angekündigte Wladimir Kaminer nach seiner fast zwei Stunden dauernden Lesung. Und er traf den Nagel auf den Kopf, denn das Publikum in der komplett gefüllten Stadthalle geizte während und nach der Lesung nicht mit Beifall.

Mit den Lieblingsliedern der deutschen Taxifahrer – von Kaminer zusammengestellt – wurde das Publikum vor Beginn angeheizt. Nach der launigen Begrüßung durch den Vorsitzenden des Kulturbundes Bad Hersfeld, Karl-Heinz Barthelmes, verbunden mit dem Dank an die Sparkasse Hersfeld-Rotenburg für die Unterstützung, war dann die Bühne frei für den Wortakrobaten Wladimir Kaminer.

Feuerwerk abgebrannt

Pointiert brannte der mit einer Auflage von mehr als drei Millionen Büchern erfolgreiche Autor in einer Kombination von Lesung und Stand by - Vortrag ein Feuerwerk ab, das jeden Kabarettisten oder Comedian vor Neid hätte erblassen lassen. Mit spielerischer Leichtigkeit findet Kaminer die Geschichten im Alltag und seinem häuslichen Umfeld. Amüsant erfährt der Zuhörer Pubertätsgeschichten seines Sohnes Sebastian, die Geschichte der Facebook-Party seiner Tochter Nicole, hört Kritik am deutschen Schulwesen. Nach seinen Lesungen „Angemacht“ und „Telefonrechnung“ kann man auf das in Arbeit befindliche neue Buch mit dem Schwerpunkt Pubertätsverhalten mehr als gespannt sein.

Kritische politische Anmerkungen zu Putin oder dem russischen „Zwischenpräsidenten“ Medwedew und seiner Einführung der Winterzeit haben satirischen Charakter. Doch auch die Deutschen bleiben nicht verschont, wenn er zu seinen immer häufiger im Ausland stattfindenden Vorträgen und Lesungen anmerkt: „Dann machen wir Werbung für die deutsche Kultur mit der Russendisko.“

Geschichten aus dem Dorf

„Willst Du ein Leben lang glücklich sein, dann schaffe Dir einen Garten an“, dieser Satz war der Ausgangspunkt für seine Gartenkarriere und das Buch „Mein Leben im Schrebergarten“. Sein neuestes Werk „Diesseits von Eden – Neues aus dem Garten“ beruht auf Erlebnissen in seinem in Nordbrandenburg – 73 Kilometer vom Wohnort Berlin entfernt – gelegenen Garten. Hier findet Kaminer die Geschichten aus dem Dorf, von den Nachbarn, von den Eiern, vom Haus des Gastes und der Russendisko, die das Publikum nicht nur zum Schmunzeln, sondern auch zum Lachen verführen. En passant stellt Kaminer bei seinen Ausführungen in charmanter Weise Verbindungen zu all seinen Aktivitäten von den Büchern und Hörbüchern, Musik-CDs, Lesungen und Vorträgen, der Russendisko als Tanzveranstaltung oder zu seinen Arte-Filmen „Die schönsten Gärten der Aufklärung“ her.

Breites Publikum

Anneliese Sass aus Bad Hersfeld: „Ich war überrascht, wie unterschiedlich die Altersstruktur der Zuhörer war. Mit der Verpflichtung von Wladimir Kaminer ist es dem Veranstalter wirklich gelungen, ein breites Publikum von jung bis alt anzusprechen“. (ast)

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