Wochenendporträt: Andrea Cleven tauscht das Filmstudio gegen die Stiftsruine

Auf dem Weg zum Glück

Andrea Cleven in den Filmstudios in Potsdam-Babelsberg.

Berlin. Gefeuert ist Andrea Cleven sowieso schon. Da macht es nichts mehr, wenn sie mal mitten im Dreh durchs Filmset läuft. „Ich darf jetzt alles“, sagt die Schauspielerin trocken, während sie am edlen Hotel „Elephant“ vorbeihuscht.

Es sind Andrea Clevens letzte Tage in Nordersund, der beschaulichen Ostseestadt, die in den Filmstudios Babelsberg bei Berlin entstanden ist. Zwischen Leuchtturmkulissen und halben Reetdachhäusern hat sie hier in den vergangenen Monaten die ZDF-Telenovela „Wege zum Glück – Spuren im Sand“ gedreht.

Wo im Fernsehen später der idyllische Hafen erscheint, steht am Set nur eine große grüne Leinwand. Doch die maritime Gefühlsachterbahn um zwei befreundete Paare hat die Herzen des Nachmittagspublikums anscheinend nicht wirklich zum Mitklopfen gebracht. Schon nach vier Wochen Laufzeit verkündete das ZDF, dass die Serie aus dem Programm genommen wird. Die restlichen schon gedrehten Folgen werden ab Juli im Spartenkanal ZDFneo ausgestrahlt.

Abruptes Ende der Serie

Das Ende ihrer Serienfigur Maja Iversen macht Andrea Cleven nicht arbeitslos. Ab Mitte Juli wird die 34-Jährige wieder das geheimnisvolle Mädchen im „Namen der Rose“ in der Stiftsruine spielen und den jungen Novizen Adson in eine Glaubenskrise stürzen. Doch obwohl sich die Schauspielerin wieder auf die Hersfelder Bühne freut, macht ihr das abrupte Ende der „Wege zum Glück“ sichtlich zu schaffen.

„Ich dachte wir hätten mehr Zeit“, sagt sie, während sie nach Ende ihres Drehtages in der Sonne Kaffee trinkt. Sie trägt noch Majas blaues Blusenkleid und halbhohe Stiefel, nicht ganz ihr Stil, aber auch nicht ganz weit weg davon. „Wir alle haben damit gerechnet, dass wir es wegen der EM schwer haben würden“, erzählt sie. „Aber ich bin schon traurig, dass wir nicht die Chance hatten, uns zu etablieren.“ Dann zuckt sie die Schultern und sagt, dass so eben Fernsehen ist. Die Kulissenhäuschen von Nordersund sind schnell wieder abgebaut.

Trotzdem nennt Andrea Cleven ihren Telenovela-Ausflug eine gute Erfahrung. „Es ist nicht Schiller“, sagt sie diplomatisch. „Aber wir erzählen eine Geschichte, auf die man sich einlassen kann.“

Ein wenig hat auch sie manchmal die Nase über Seifenopern gerümpft. Zumindest ist es nicht das, was sie sich vorgestellt hatte, als sie mit den Idealen der Schauspielschule in die Branche entlassen wurde. Doch inzwischen lehnt sich Andrea Cleven engagiert über den Tisch, wenn sie ihre TV-Kollegen verteidigt. „Ich habe meine Meinung 100-prozentig geändert“, sagt sie. „Die Serien sind viel professioneller und besser geworden, und jeder, der jeden Tag zehn Stunden dreht, verdient Respekt.“

Von Saskia Trebing

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