Der Kirchturm der evangelischen Kirche in Kerspenhausen wird umfassend saniert

Die Glocken schweigen

Ungewöhnliche Perspektive: Aus dem Jahr 1979 stammt die schmiedeeiserne Wetterfahne auf dem Turm der evangelischen Kirche in Kerspenhausen. Das Bauwerk wird derzeit umfassend saniert. Foto: Matthias Jäger/nh

Kerspenhausen. Bis hinauf zur Wetterfahne in 32,80 Metern Höhe eingerüstet ist derzeit der Glockenturm der evangelischen Kirche in Kerspenhausen. Das markante Bauwerk wird umfassend saniert.

Im Jahr 2006 waren bereits der Dachstuhl und der Innenraum des Kirchenschiffs erneuert worden. Bei einer bautechnischen Untersuchung im Jahr 2007 stellte ein Fachbüro Mängel an der Holzkonstruktion fest. Stellenweise seien tragende Balken morsch und Holzverbindungen hätten sich gelöst, berichtet Architekt Gerhard Michl aus Niederaula, der die Sanierung betreut. Außerdem weise die Konstruktion noch immer Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg auf, so etwa Einschläge von 20-Millimeter-Geschossen. Die Schäden seien in den Nachkriegsjahren nur notdürftig repariert worden.

Außerdem sei die Holzkonstruktion im Bereich des Zwiebeldaches leicht verschoben. „Aber nicht bedenklich“, betont der Architekt. Insektenfraß und in früheren Jahren auch Taubenkot in der Glockenstube hätten ihr übriges getan. Zimmerleute und Dachdecker haben jetzt das Schieferdach und Teile der Schalung entfernt. Schadhafte Holzteile werden erneuert. Dafür verwenden die Arbeiter abgelagerte Eichenbalken, die etwa von abgerissenen Fachwerkhäusern stammen.

Meist ersetzen die Arbeiter nicht die ganzen Balken, sondern schneiden schadhafte Stellen aus und setzen gesundes Holz an. Auf diese Weise ist ein Auflieger oberhalb der Glockenstube erneuert worden. Der Balken habe äußerlich noch gut ausgesehen, bis an der Außenseite der Fruchtkörper eines Pilzes sichtbar wurde. Bei der Sanierung habe sich dann herausgestellt, dass der Auflagepunkt stark verfault war.

Neuer Treppenaufgang

Im Zuge der Sanierung erhält der Kirchturm, dessen Ursprung im Jahr 1512 liegt, auch einen neuen Treppenaufgang. Die alten, denkmalgeschützten Keilstufen-Treppen bleiben jedoch erhalten. Abschließend bekommt der Zwiebelturm eine neue Schalung und eine neue Schiefereindeckung. Wie die Mitglieder des Kirchenvorstandes und des Bauausschusses berichten, kommen die Arbeiten bisher gut voran. Im Herbst, noch vor dem ersten Schneefall, soll die Sanierung beendet sein.

Die Finanzierung habe sich als schwierig erwiesen, berichtet die Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Ute Patzelt. Zeitgleich mit der Bauuntersuchung sei ein Förderantrag gestellt worden. Möglich wurden die Arbeiten erst durch die Einnahmen aus dem Verkauf des ehemaligen Pfarrhauses im Jahr 2012. Von den veranschlagten 220 000 Euro Baukosten trägt die Kirchengemeinde mit 114 000 Euro den Löwenanteil. 63 000 Euro übernimmt der Kirchenkreis, 43 000 Euro kommen von der Landeskirche.

Trotz der Bauarbeiten können die Kerspenhäuser ihre Gottesdienste in der Kirche feiern. Lediglich die drei Glocken können derzeit nicht geläutet werden.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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