250 Dinge, die wir an der Region mögen (62): Die St. Mauritiuskirche

Glocken als Kriegsopfer

Der Wehrturm der St. Mauritiuskirche stammt aus dem 12. Jahrhundert, das Kirchenschiff erhielt seine heutige Form rund 600 Jahre später.

Schenklengsfeld. Dass der Turm der evangelischen Sankt Mauritiuskirche älter ist als das Kirchenschiff, lässt sich bereits an der unterschiedlichen Optik erkennen. Der 40 Meter hohe mittelalterliche Turm gehörte ursprünglich zu einer kleinen Kapelle, die ins 12. Jahrhundert zurück datiert wurde. Wie alt der Turm genau ist, bleibt bis heute allerdings umstritten. Keinen Zweifel gibt es dagegen an der Tatsache, dass die Kirche das Bild Schenklengsfelds bis heute entscheidend prägt.

Das barocke Kirchenschiff wurde in den Jahren 1736 bis 1740 nach den Plänen des hessischen Landbaumeisters Adam J. Erdinger erbaut. Der barocke Turmhelm, der dem Gebäude heute seinen besonderen Charme verleiht und das Dorf schon aus der Ferne erkennen lässt, stammt aus dem Jahre 1822. Das innere Bild der Mutterkirche des damaligen Kirchspiels Schenklengsfeld, zu dem heute insgesamt neun Ortsteile gehören, wird durch den beeindruckenden spätgotischen Chorraum, einen Taufstein aus dem Jahre 1517 und die Orgel aus dem Jahre 1888/89 geprägt.

Eine der drei Glocken, die immer im Kirchturm hingen, wurde im Jahre 1807 durch eine neue, in Seligental hergestellte Glocke ersetzt. Die ursprüngliche Glocke trug die Aufschrift „Als Friedrich August Chursachsens Haupt und Lust hat Landeck übernommen, hab ich den Klang bekommen“. Später ließen insgesamt vier Glocken ihren Klang über den Ort erschallen.

Konfirmanden steigen hinauf

Zu Beginn des zweiten Weltkrieges im Jahr 1939 mussten allerdings drei dieser Glocken abgeliefert werden und konnten auch nach Kriegsende nicht mehr auf dem Sammelplatz in Hamburg wiedergefunden werden. Vier Jahre nach Ende des Krieges wurden die ersten zwei neuen Glocken beschafft, die Letzte mit Namen „Christusglocke“ vollendete 1951 das Glockenspiel. Heute ist es Tradition, dass die neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden einmal im Kirchturm hinaufsteigen und sich die imposanten Glocken aus der Nähe anschauen.

Kunst im Altarraum

Der Künstler Heinrich Mannel aus Wehrshausen malte 1949 eine abgeänderte Version der Kreuzigung Jesu, welche die Menschen unter dem Kreuz in der typischen Landecker Tracht zeigt. Dieses Bild schmückt noch heute den Innenraum des Gotteshauses. Außerdem machen die Glasfenster im Altarraum, die 1954/55 von Hilde Ferber entworfen wurden, die Kirche zu einem sehenswerten Ort. Besonders das in Brauntönen gehaltene Fenster, auf dem ein segnender Jesus Christus zu sehen ist, wird beim Betreten des Chorraumes zum Blickfang.

Von Nicole Wagner

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