Muslimische Schützen sind in den Vereinen Hersfeld-Rotenburgs willkommen

„Glaube ist wurscht!“

Auch in den Vereinen der Region Hersfeld-Rotenburg wird über den Fall des muslimischen Schützen aus Nordrhein-Westfalen diskutiert. Hier zu sehen zwei Schützinnen bei den Deutschen Meisterschaften im Februar in der Göbels Hotel Arena in Rotenburg. Archivfto:  Walger

Hersfeld-Rotenburg. Religiöse Diskriminierung ist in den Schützenvereinen im Kreis kein Thema, erklären Mitglieder und Vorstände der hiesigen Vereine. Die Frage nach der Religionszugehörigkeit stelle sich nicht, ganz anders als in einem nordrheinwestfälischen Verein, in dem einem Schützenkönig sein Titel aberkannt werden soll, weil er Muslim ist – unsere Zeitung berichtete.

Dazu erkundigten wir uns bei verschiedenen Schützenvereinen im Kreis Hersfeld-Rotenburg. In einem Punkt sind sich alle Befragten einig: Die Religionszugehörigkeit spiele keine Rolle, nur auf das Sportliche komme es an.

Manuela Schmermund, mehrfache Medailliengewinnerin der Paralympics, die in der Schützengilde Mengshausen aktiv ist, findet diese Entscheidung unleidlich. „Ich kenne selbst viele Schützen ausländischer Herkunft, die Schützenkönig geworden sind. Wir gehören zum Deutschen Schützenbund, da kann so was nicht passieren. Schmermund ist außerdem der Meinung, dass „ein Großteil der Deutschen differenzieren kann“, der Schießsport gerate also nicht im Ganzen in Verruf.

Geteilte Meinungen

Auch Bernd Schmid, Vorsitzender der Hersfelder Schützengilde, glaubt nicht, dass sich die schlechte Presse auf das Ansehen der Schützenvereine insgesamt auswirkt. Er beschreibt seinen Verein als traditionsbewusst und offen: „Glaube ist wurscht!“

Eine entgegengesetzte Meinung über die Folgen der Debatte vertritt der Vorsitzende der Schützengesellschaft Bebra, Günther Hense: „Jetzt heißt es wieder ,Die Schützen‘. Die Leute verallgemeinern schnell.“

Auch der Ehrenvorsitzende der Schützengesellschaft, Karl-Heinz Ahlswede, findet Ausgrenzungen aufgrund einer bestimmten Religionszugehörigkeit „mittelalterlich und falsch, bei uns kann jeder König werden.“

Herbert Vöckel, Pressereferent des hessischen Schützenverbands, sagt, „man kann nur den Kopf schütteln, dass es solche Ausgrenzung überhaupt gibt. In unserer Region ist dies nicht vorstellbar.“

Der Vorsitzende des Schützenvereins Rotenburg, Waldemar Kornek, findet den Vorfall und die Diskussion darüber hingegen lächerlich: „Es ist ein Witz sich darüber aufzuregen“.

Auch im Rotenburger Verein schießen ausländische Mitglieder, „aber darauf haben wir nie geachtet“, sagt Kornek.

Er fürchtet, solche Vorfälle könnten das Ansehen der Schützen trüben: „Bei solchen Meldungen halte ich die Luft an“. (sls/arh/sar)

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