Bad Hersfelder Festspiele: Dienstag hat das Musical „Anatevka“ Premiere

Nur der Glaube bleibt

Tevjes Tochter Zeitel (Franziska Lessing) darf Hochzeit feiern mit dem armen Schneider Mottel (Rolf Sommer). Doch das Fest endet nicht so fröhlich, wie es begann. Foto: Iko Freese/drama-berlin.de

Bad Hersfeld. Die Tradition gilt noch etwas im ukrainischen Dorf Anatevka. Der Papa ist der Herr im Haus, Mama hält den Betrieb am Laufen, und um die Verehelichung des Nachwuchses kümmert sich die Heiratsvermittlerin. Mit dieser gesungenen Feststellung beginnt das diesjährige Musical der Bad Hersfelder Festspiele – doch nur, um in den folgenden knapp zweieinhalb Stunden von einer Welt in Auflösung zu erzählen.

Einfach gestrickt

Die Geschichte vom Milchmann Tevje, der erst erleben muss, wie sich drei seiner fünf Töchter auf eigene Faust einen Ehemann suchen, um dann wie die anderen Juden des Dorfes in eine unsichere Zukunft vertrieben zu werden, zählt zu den anrührendsten des Genres.

Denn dem einfach gestrickten Familienoberhaupt, der seine kleinen Weisheiten aus dem Dauer-Dialog mit Gott bezieht, bleibt am Ende nur der Glaube, um mit den Veränderungen in seiner Umgebung fertig zu werden. Doch der bewahrt die Menschen von Anatevka davor, nicht zu verzweifeln.

„Anatevka“ ist das erste Musical, das ein zweites Mal in der Stiftsruine gespielt wird. Von 1985 bis 1987 begeisterte Karl Vibachs Inszenierung mit dem legendären Wolfgang Reichmann als Tevje das Festspielpublikum.

Heutige Version

Milchmann in Nöten: Wer hört noch auf Tevje (Michael Schanze)? Seine Töchter jedenfalls nicht. Foto: Iko Freese/drama-berlin.de

Jetzt ist Stefan Huber angetreten, um den Klassiker in einer entstaubten, heutigen Version auf die Bühne zu bringen. Der Anspruch des erfahrenen Musical-Regisseurs zeigte sich schon bei der Zusammenstellung des Ensembles, in dem der Ex-Schlagersänger und TV-Entertainer Michael Schanze die Rolle des Milchmanns übernommen hat.
Huber und der neue musikalische Leiter Kai Tietje lehnen sich mit ihrer Arbeit an die neue Broadway-Inszenierung an, die „Anatevka“ kürzlich zu einem erfolgreichen Comeback verhalf.

Für die Premiere gibt es noch Karten beim Ticket-Service der Festspiele am Markt und an der Abendkasse an der Stiftsruine.

Von Karl Schönholtz

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