Schlosspark-Theater Berlin zeigte „Einsteins Verrat“

Ein glanzvoller Saisonauftakt

Die Akteure von Einsteins Verrat: (von links) Matthias Freihof (Einstein), Volker Brandt (Vagabund), Nico Birnbaum (Simpson) traten in der Stadthalle auf. Foto: ast

Bad Hersfeld. Die Theater-Abonnement Spielzeit 2014/2015 ist mit dem Stück „Einsteins Verrat“ des französisch - belgischen Romanciers Eric-Emanuelle Schmitt in einer Tournee-Fassung des Schlossparktheaters Berlin in der Stadthalle Bad Hersfeld eröffnet worden.

Schmitt – mit Preisen überhäuft – zählt ohne Zweifel zu den erfolgreichsten Theaterautoren weltweit. Seine Bücher wurden in über 40 Sprachen übersetzt, seine Theaterstücke stehen in über 50 Ländern auf dem Spielplan. Seinem Credo „Das Theater soll keine Botschaft verkünden, sondern Fragen provozieren“ ist der Autor auch bei diesem Stück treu geblieben.

Sieben Szenen

In sieben, insgesamt einen Zeitraum von zwanzig Jahren umfassenden Szenen zeigt Matthias Freihof mit beeindruckender und ausdrucksstarker Mimik und Körpersprache das Scheitern Einsteins in den großen Einbrüchen des 20. Jahrhunderts: physikalische Revolution, Nazi-Wahn, Ohnmacht und die Verantwortung der Wissenschaft für den atomaren Schrecken.

Matthias Freihof gelingt eine brillante Darstellung, den Atombombenbrief an den amerikanischen Präsidenten Roosevelt als Verrat in zweifacher Weise wiederzugeben. Als Selbstverrat, weil er als Pazifist für den Bau der Bombe eintrat und als Verrat an ihm durch die Amerikaner, die die Bombe tatsächlich gegen die Japaner eingesetzt haben.

In Volker Brandt hat Freihof einen kongenialen Partner in der Rolle des Vagabunden, der durch Zufall an einem See auf den berühmten Physiker trifft. Diesen beiden Schauspielern gelingt es, die menschlich tiefen Dialoge voll hintergründigem Humor zum Leben zu bringen und den Menschen Einstein mit seiner Güte, Wärme, Witz, aber auch mit all seinen Zweifeln und Selbstzweifeln zu zeigen. Sätze wie „Judentum kannst Du nicht abstreifen. Einmal Jude, immer Jude“, „Wenn Du gegen Hitler bist, darfst Du nicht Pazifist sein“, „Wer sich nicht mehr wundern oder in Ehrfurcht verlieren kann, ist seelisch bereits tot“ oder die Erklärung der Relativitätstheorie „Wenn ein Mann eine Stunde mit einem hübschen Mädchen zusammen sitzt, kommt ihm die Zeit wie eine Minute vor. Sitzt er dagegen auf einem heißen Stein, scheint ihm schon eine Minute länger zu dauern als eine Stunde. Das ist Relativität“ bleiben bei den Zuschauern haften.

In der Rolle des FBI - Agenten Simpson hat es Nico Birnbaum schwer, sich gegen die beiden Theaterschwergewichte nachhaltig in Szene zu setzen. Beifall nach jedem Szenenabschnitt und langanhaltender Schlussapplaus spiegelten die Begeisterung des Publikums wider. Dieser Abend hätte einen besseren Besuch, ein ausverkauftes Haus verdient gehabt. (ast)

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