Glanz, Glamour und viele Kandidaten

Kai A. Struthoff

Die Pressekonferenz von Dieter Wedel gab schon einen Vorgeschmack von Glanz und Glamour, der uns künftig bei den Bad Hersfelder Festspielen erwarten könnte. Der „Impresario“, frisch aus Mallorca eingeflogen, wurde in einer dicken Limousine direkt vor die Stadthalle chauffiert und posierte mit cooler Sonnenbrille für die Fotografen. Solche Bilder mögen wir Medien-Leute. Dann erzählte er lässig von seiner lieben Freundin „Vroni“ Ferres, von Gala-Veranstaltungen und guten Kontakten zu potenten Geldgebern. Das macht Hoffnung auf (finanziell) bessere Zeiten.

Und schlagfertig ist Dieter Wedel auch: Auch die Frage, ob er denn wie kolportiert 900 000 Euro für seine Intendanz erhält, konterte er: „Was? So wenig?“. Tatsächlich dürfte sich sein Jahresgehalt wohl eher um 100 000 Euro bewegen, eventuell mit Zusatz-Gagen für Inszenierungen und Drehbücher. Die Stadt geht also keine finanziellen Abenteuer ein, und das ist auch gut so.

Bürgermeister Fehling standen gestern verständlicherweise Stolz und Erleichterung ins Gesicht geschrieben, denn Dieter Wedel hat wohl tatsächlich erst vor einer Woche seine endgültige Zusage gegeben.

„Bis dahin habe ich ganz schön gezittert“, verriet mir gestern der Bürgermeister. Allerdings hatte Fehling auch andere, wohl durchaus qualifizierte Bewerber in der Hinterhand, mit sieben sogar persönliche Gespräche geführt. Wedel allerdings sei zu jeder Zeit sein persönlicher Favorit gewesen.

Der neue Intendant trägt jedenfalls keine Verantwortung für die Querelen der letzten Wochen und hat daher eine faire Chance verdient.

Eine faire Chance haben auch die Bewerber um die Bürgermeisterposten in Haunetal und Niederaula verdient. Auf sie wartet kein leichter Job, denn die Emotionen in beiden Gemeinden gehen hoch. Das zeigte sich auch bei den Bürgermeisterforen unserer Zeitung, bei denen engagiert diskutiert wurde. Trotzdem liegen beim manchem Kandidaten, aber auch bei manchen Bürgern die Nerven offenbar ziemlich blank, was hitzige Telefonate, E-Mails und schlicht beleidigende Leserbriefe der vergangenen Wochen zeigten.

Nirgendwo sonst wird Politik so greifbar, wie im Lokalen, zum Beispiel bei Anliegerbeiträgen, Verschuldung oder Windkraft Bei Bürgermeisterwahlen geht es deshalb um wichtige Weichenstellungen. Deshalb gehen Sie zur Wahl, um so ihre unmittelbare Zukunft mitzugestalten!

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Die Kandidaten für das Amt des Landrats stehen fest. Der CDU ist es dabei tatsächlich gelungen, ihren sympathischen und offenbar sehr fachkompetenten Kandidaten bis zum Schluss geheim zu halten. Dabei ist Dr. Michael Koch in Insider-Kreisen kein Unbekannter. Die Bad Hersfelder CDU wollte den Herschfeller Jung nämlich eigentlich schon bei der Bürgermeisterwahl gegen Thomas Fehling ins Rennen schicken. Damals aber ließ ihn „seine“ Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht nicht aus Thüringen gehen.

Freuen wir uns also auf den nächsten spannenden Wahlkampf, dessen Hauptthema die Klinik-Fusion und das offenbar durchaus ernste Übernahmeangebot des HKZ sein dürfte. Es steht viel auf dem Spiel, denn es geht um viel Geld, Arbeitsplätze und einen zentralen Baustein der lokalen Daseinsvorsorge.

Kommentare