Missbrauchsskandal: Heimische Pfarrer bekämpfen Misstrauen

Gläubige zweifeln an sich und an der Kirche

Hersfeld-Rotenburg. Seit Wochen tauchen immer neue Fälle von Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in Zusammenhang mit der katholischen Kirche auf. Pfarrer Bernhard Schiller, Moderator im Pastoralverband St. Lullus Hersfeld-Rotenburg, hat seitdem alle Hände voll damit zu tun, die Katholiken des Landkreises als Seelsorger zu betreuen. Er rechnet mit vermehrten Kirchenaustritten.

„In diesen Tagen ist viel Unbefangenes, viel natürlich Gesundes zwischen Pfarrern und Gemeinde kaputt gegangen, weil sofort Angst da ist“, sagt Pfarrer Schiller. Als Seelsorger hofft er darauf, dass in Zukunft wieder normale menschliche Begegnungen möglich sind. Bis das soweit ist, versucht er, das Thema Missbrauch und Misskredit der katholischen Kirche während der Gottesdienste, in Gesprächen und in Bibelkreisen anzugehen. Ebenso wie seine Kollegen im gesamten Landkreis. „Viele Leute kommen zu mir und erzählen, dass sie zweifeln. Sie zweifeln an der Kirche und an sich selbst als Gläubige.“

Tabu gebrochen

Pfarrer Schiller wundert sich darüber, dass es im Landkreis Hersfeld-Rotenburg noch keine Kirchenaustrittswelle gegeben hat, seitdem jeden Tag in den Medien über Missbrauch berichtet wird. „Ich rechne damit, dass noch eine Erhöhung gibt.“ Wenn es ein Segen in dieser Misere gäbe, dann den, „dass ein großes gesellschaftliches Tabu gebrochen wurde“, sagt Schiller. Vor dem sich ausweitenden Missbrauchsskandal seien die Opfer stumm gewesen, weil ihnen niemand geglaubt habe. Das sei jetzt anders. Schwierig dagegen sei, dass die katholische Kirche nun permanent unter Generalverdacht sei.

Aufarbeitung sei aber nicht nur für Opfer und Täter wichtig, sondern für alle Katholiken. „Wir müssen uns jetzt ausrichten auf Gott und sein Wort. Das könnte ein Neuanfang sein für die Kirche und jeden Einzelnen.“ Hintergrund, zum tage

Von Judith Strecker

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