Monster im Straßenverkehr oder Entlastung für den Warenverkehr?

Gigaliner polarisieren

Über 25 Meter lang und maximal 44 Tonnen schwer: Gigaliner bestehen jeweils aus einer Sattelzugmaschine, einem Sattelauflieger und einem zusätzlichen Anhänger. Foto: dpa

Hersfeld-Rotenburg. Wie kaum eine andere Debatte in Sachen Straßenverkehr polarisiert derzeit die Diskussion über die Gigaliner. Polizeigewerkschaft und Verkehrsorganisationen befürchten zum Beispiel mehr Unfälle beim Überholen der über 25 Meter langen Riesen-Lastwagen. Und erhebliche Probleme, wenn diese in die engen Innenstädte hineinfahren und Risiken bei Straßeneinmündungen und Baustellen sowie in Kreisverkehren.

Speditionen froh

Vor allem Nutzfahrzeughersteller sowie große Speditionen hingegen befürworten die langen Lastwagen, weil sie rund 20 Prozent mehr Fracht transportieren könnten und damit wirtschaftlicher seien. Außerdem würde Dieselkraftstoff eingespart und der Kohlendioxid-Ausstoß verringert. Gestritten wird auch im Detail: Während die Gegner höhere Belastungen für die Straßenbeläge und Brückenbauten befürchten, führen die Gigaliner-Verfechter einen geringeren Achsdruck auf die Fahrbahnen ins Feld.

„Wir stehen dem Thema Gigaliner positiv gegenüber“, sagt Jürgen Rudolph, Inhaber der gleichnamigen Logistik-Gruppe mit Sitz in Baunatal, die unter anderem in Gudensberg einen von insgesamt 26 Stützpunkten unterhält.

Die international arbeitende Gruppe hat sich sogar für die Teilnahme am Feldversuch beworben. Die Rudolph Logistik-Gruppe organisiert mit 1700 Mitarbeitern europaweit unter anderem den Warenverkehr für Firmen wie Volkswagen, Daimler, Audi, KWS und Freudenberg. Bei bisherigen Feldversuchen wie in Niedersachsen habe sich gezeigt, dass sich die Last auf mehreren Achsen verteile und die Straßen damit weniger belastet würden, sagt Rudolph. Der Einsatz von Gigalinern mache es möglich, Touren und gleichzeitig Kraftstoff einzusparen. Somit werde auch der Ausstoß an Kohlendioxid reduziert.

Krug will sie nicht

Trotz wirtschaftlicher Vorteile hat die Spedition Krug in Heinebach keine Verwendung für die Gigaliner, erklärt Ulrich Till, einer der Geschäftsführer. „Wir transportieren überwiegend schwerere Transportgüter, bei denen oftmals das Laderaumvolumen aufgrund der Gewichtsbeschränkung für das zulässige Gesamtgewicht nicht ausgenutzt werden kann. Unsere Lade- und Abladestellen liegen nicht nur direkt an Autobahnausfahrten, sondern auch in Regionen, die über Bundes- und Landesstraßen zu erreichen sind – auch hierfür wären Gigaliner eher ungeeignet.“

Diese Fahrzeuge sind im wesentlichen für großvolumige und leichte Transportgüter geeignet, wie sie beispielsweise in der Automotiv-Industrie Verwendung finden, so Ulrich Till.

Von Kurt Hornickel und Jürgen Köcher

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