Grabungen bei Bauarbeiten an der A4: Scherben statt Grundmauern

Gießlingskirche bleibt weiter geheimnisvoll

Hersfeld-Rotenburg. Im Zuge der seit 2006 laufenden Arbeiten zur Verbreiterung der Autobahn A4 hatte das Landesamt für Denkmalpflege auch die Chance, neue Erkenntnisse über die sagenumwobene, verlassene Siedlung Gosselndorf bei Friedewald zu gewinnen. Bei den vom Amt für Straßen- und Verkehrswesen Eschwege finanzierten Grabungen wurden 160 Tonscherben aus der Zeit vor der Renaissance gefunden, nicht aber die erhofften Bodendenkmale und Grundmauern.

Die Ruine der Gießlingskirche ist eines der geheimnisvollsten Kulturdenkmäler im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Sie grüßt stumm von der großen Wiese zu den unendlichen Verkehrsströmen herüber, die sich seit der Grenzöffnung über die Autobahn 4 zwischen Bad Hersfeld und Friedewald schieben.

Wohl älter als 700 Jahre ist die Ruine der Kirche, die das letzte sichtbare Zeichen der einstigen Siedlung Gosselndorf ist. Der Klimawandel, der ab 1302 einsetzte und Missernten brachte, und die wenige Jahrzehnte später grassierende Pest machten dem Dorf nach Meinung von Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel vom Hessischen Landesamt für Denkmalpflege für immer den Garaus.

Einzig der wuchtige Turm der Kirche, die 1363 eingeweiht wurde, deutet auf die Wüstung abseits der alten Friedewalder Landstraße hin.

Durch die grundlegende Sanierung und Verbreiterung der Autobahn in diesem Bereich rückt die Trasse der Fernstraße näher an die Ruine heran. Bevor die Baumaschinen kommen, ließ das Landesamt für Denkmalpflege auf dem zukünftigen Baustreifen den Untergrund geoelektrisch und geomagnetisch vorerkunden, um herauszufinden, ob sich im Schoß der rund 4 000 Quadratmeter großen Wiesenfläche womöglich Fundamente von Häusern, Spuren von Back- oder Brennöfen oder Brunnenschächten verbergen. LOKALSEITE 3,

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Von Kurt Hornickel

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