Informationsveranstaltung über Epilepsie in der Stadthalle klärte auf und machte Mut

Gewittersturm im Gehirn

Gemeinsamer Appell an Epilepsie-Erkrankte und deren Umfeld, „mitten im Leben“ zu stehen und aufeinander aufzupassen: (von links) Prof. Dr. Felix Rosenow, Thomas Fehling, Wolfgang Walther, Friedrich Bohl. Foto: Hettenhausen

Bad Hersfeld. Wie können an Epilepsie leidende Menschen ihren Alltag bewältigen? Welche Unterstützung wird ihnen angeboten, welche Medikamente und neue Behandlungsmethoden gibt es? Diese und viele andere Fragen wurden auf der großen Informations-Veranstaltung der Deutschen Epilepsievereinigung Landesverband Hessen (LV) zum Tag der Epilepsie in der Bad Hersfelder Stadthalle am Samstag thematisiert.

Es gab nur wenige unbesetzte Plätze, als Friedrich Bohl, ehemaliger Chef des Bundeskanzleramtes und Schirmherr des LV Hessen, zusammen mit Bürgermeister Thomas Fehling und Wolfgang Walther, Vorsitzender des LV Hessen, die Anwesenden begrüßte.

„Das Umfeld der Betroffenen muss Bescheid wissen und aufpassen“, betonte Fehling, der selbst miterlebte, wie ein junger Mann aus seinem Bekanntenkreis im Schwimmbad an den Folgen eines Epilepsieanfalls starb. Millionen von Nervenzellen tauschen im Gehirn ständig Informationen miteinander aus. Es gibt Zellen, die den Informationsfluss aktivieren, und solche, die ihn hemmen. Zwischen den hemmenden und erregenden Nerven und deren Botenstoffen muss ein stabiles Gleichgewicht bestehen. Bei einem epileptischen Anfall kommt es zu einer plötzlichen Störung der Balance und zu einer unkontrollierten Entladung wie bei einem Gewitter.

Über Stunden anhaltende Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit oder auch Lähmungen können die Folge sein. Die Verletzungsgefahr ist sehr hoch. Deshalb ist es wichtig, nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Angehörigen und Mitmenschen aufzuklären. Ein erster Schritt für die Betroffenen ist, die Erkrankung anzunehmen und sich nicht zu verstecken. Die Diagnose „Epilepsie“ erschlägt meistens zunächst emotional. Die Patienten ziehen sich aus ihren geliebten, gewohnten Aktivitäten zurück.

Damit Menschen mit Epilepsie laut dem Motto der Veranstaltung „mitten im Leben“ bleiben, gibt es inzwischen jede Menge Hilfsmittel und soziale Unterstützungsangebote. Über eine allumfassende Behandlung (comprehensive care) durch Medizin, Beratung und Selbsthilfe wurde in der Stadthalle informiert. Fachliche Vorträge hielten Prof. Dr. Felix Rosenow, Leiter des EZH Epilepsiezentrums Hessen in Marburg, Bernhard Brunst von der Epilepsieberatungsstelle Diakonisches Werk Hochtaunus in Bad Homburg und Bernhard Müller, Diplom-Pädagoge aus Neustadt/Weinstraße. Angeregte Diskussionen entstanden bei den sich anschließenden Publikumsfragen.

An zahlreichen Ständen gab es weitere Informationen.

Von Vera Hettenhausen

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