Montagsinterview mit Markus Gilbert, neuer Chef der Bad Hersfelder Stadtwerke

Der Gewinn bleibt hier

Markus Gilbert (49) ist neuer Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Hersfeld GmbH, die Strom und Gas neuerdings im gesamten Kreisgebiet anbieten. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Erneuerbare Energien, ein immer härterer Wettbewerb und die Ertragserwartungen der Eigentümer: Markus Gilbert, neuer Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Hersfeld GmbH, hat als Nachfolger von Peter Sobisch keine leichte Aufgabe übernommen.

Herr Gilbert, sind Sie nach zwei Monaten im neuen Job eigentlich schon angekommen?

Markus Gilbert: Ich bin im März nach Bad Hersfeld gezogen, aber natürlich ist alles nach einem Vierteljahr noch Anfangsphase.

Mit welchem Auftrag sind Sie angetreten? Sind Sie Sanierer oder der große Veränderer? Wie definiert sich Ihre Aufgabe?

Gilbert: Ich erlebe die Stadtwerke als einen guten und gut geführten Betrieb. Ich habe auch keinen Auftrag, der jetzt hier einschneidende Veränderungen beinhalten würde. Das erste Anliegen ist, die Nachfolge von Herrn Sobisch anzutreten, der in Ruhestand geht, und das hier zunächst einmal gut weiterzuführen. Neue Ideen sind natürlich auch willkommen.

Was müssen die Stadtwerke tun, um sich auch künftig auf dem Markt behaupten zu können?

Gilbert: Das Gleiche, was sie in den letzten 20 Jahren auch getan haben, nämlich sich auf die Marktveränderungen, die im Energiebereich doch sehr einschneidend sind, weiterhin einzustellen und darauf zu reagieren. Oder viel besser: Pro-aktiv ihren Beitrag zur Energiewende auch hier in Bad Hersfeld zu leisten.

Nun sind die Stadtwerke heute nicht mehr wie früher auf Bad Hersfeld beschränkt. Wie weit ist eine Expansion sinnvoll?

Gilbert: Die Stadtwerke bieten neuerdings Strom und Gas auch im Kreisgebiet Hersfeld-Rotenburg an. Und das ist zunächst auch der Kreis, den wir da ziehen wollen, um als regionaler Versorger vor Ort weiterhin besonders gut und leicht ansprechbar für die Kunden zu sein. Es gibt derzeit keine Ambitionen, räumlich darüber hinauszugehen.

Die Stadtwerke gelten ja als die Milchkuh innerhalb der Wirtschaftsbetriebe ...

Gilbert: Es freut uns, dass im Betrieb auch was übrig bleibt.

... aber das wird auch kritisiert, weil die Gewinne der Stadtwerke beispielsweise die Bäder oder den öffentlichen Personennahverkehr subventionieren. Wie sehen Sie das?

Gilbert: Wir freuen uns, dass die Stadtwerke ein gesunder und positiv abschließender Betrieb sind. Der Gewinn gehört dem Eigentümer, wie das in jedem Unternehmen der Fall ist. In unserem Fall ist das nicht irgendeine neutrale Kapitalgesellschaft, die das Geld irgendwo hinschafft, sondern es gehört dem Eigentümer Stadt und damit fließt es der Stadt und den Bürgern wieder zu. Das ist gut.

Alles redet im Moment von erneuerbaren Energien – positiv wie negativ. Welche Position nehmen Sie ein?

Gilbert: Es ist ganz wichtig, dass die Energiewende in Deutschland gelingt. Das ist politisch gewollt, und ich identifiziere mich damit. Das ist etwas, wozu ich mit den Stadtwerken auch gerne einen Beitrag leisten möchte. Die Stadtwerke sind gut aufgestellt über die Beteiligung, die sie auf der einen Seite mit dem Partner Thüga Erneuerbare Energien haben: Hier werden Anlagen der erneuerbaren Energie wie zum Beispiel Windparks betrieben. In dem Fall über Kooperationen an den Stellen, wo der Wind auch besonders gut weht. Zum anderen sind es Beteiligungen wie in einem gemeinsamen Projekt mehrerer Stadtwerke zur Energiespeicherung mit dem Titel „Power to Gas“, was in der Nähe von Frankfurt derzeit erstellt wird. Das sind alles Dinge, mit denen auch wir die Energiewende vorwärtsbringen. Ab 2014 werden wir übrigens Haushaltskunden ausschließlich und ohne Mehrpreis mit erneuerbarer Energie versorgen.

Von Karl Schönholtz

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