DGB-Kreisvorsitzender warnt vor Hass – „Willkür bei Amazon“

Gewerkschaft vermisst Respekt vor Arbeitern

Hersfeld-Rotenburg. Deutliche Worte findet der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Kreis Hersfeld-Rotenburg, Klaus Schüller, zum heutigen Tag der Arbeit. Er vermisst den Respekt vor den arbeitenden Menschen und ihren Qualifikationen. „Arbeit ist heute nichts mehr wert, und Steuern zahlen nur die, die gläserne Taschen haben“, moniert der Gewerkschafter. „Jeder muss von seiner Arbeit leben und seine Familie ernähren können“, stellt Schüller klar.

Der DGB fordert seit jeher „gleichen Lohn für gleiche Arbeit bei gleicher Qualifikation“. Ein für alle und überall geltender Mindestlohn von 8,50 Euro sollte laut Schüller die Leitlinie sein. Die Zunahme von Werks- oder Zeitverträgen nehme den Menschen zudem die Planungssicherheit. „Wir wollen niemandem etwas wegnehmen, aber das Vermögen muss gerechter verteilt werden“, sagt Schüller.

Im seit nunmehr einem Jahr andauernden Tarifstreit bei Amazon sieht der Gewerkschafter noch einen langen Weg auf die Beteiligten zukommen. Dabei gehe es gar nicht in erster Linie um die Lohnhöhe, sondern vielmehr um die Willkür, mit der Mitarbeiter eingestellt und bezahlt würden. „Amazon ist für die Region ein wichtiger Arbeitgeber“, so Schüller. Trotzdem dürfe man dem Unternehmen auch mit Blick auf andere Arbeitgeber nicht alles durchgehen lassen, vor allem wenn der Onlineversandriese von Fördermitteln profitiere.

„Soziale Ungerechtigkeiten sind immer ein Herd für Unruhen und Hass“, sorgt sich Schüller auch mit Blick auf die Europawahlen. Rechtspopulistische Parteien seien eine Gefahr für den sozialen Frieden, und „rechte Ideologen besetzen leider auch typische Gewerkschaftsthemen“, weiß Schüller. Viele Arbeitnehmer hätten Angst, dass ihnen Fachkräfte oder Billiglöhner aus dem Ausland die Jobs wegnehmen und die Preise drücken. Das sei auch hier vor Ort zu spüren. Zum Tage, Seite 2

Von Nadine Maaz

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