DGB fordert Tarifbezahlung / Online-Versandhaus wehrt sich

Gewerkschaft kritisiert Billiglohn bei Amazon

Hersfeld-Rotenburg. Die Zeit der billigen Arbeit in der Logistikbranche muss vorbei sein. Das fordern DGB Nordhessen und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Die Kritik der Gewerkschaften richtet sich vor allem gegen das Online-Versandhaus Amazon, bei dem es nach DGB-Angaben seit 2007 keine Lohnerhöhungen mehr gegeben habe. „Man muss von seiner Arbeit auch leben können“, sagt der DGB-Vorsitzende Michael Rudolph.

Viele Arbeitslose würden von der Optionskommune oder der Arbeitsagentur geschickt und wären gezwungen, zu niedrigeren Verdiensten zu arbeiten. Angeblich falle es Amazon aber immer schwerer, zum Einstiegsstundenlohn von 8,57 Euro (siehe auch Hintergrund), Mitarbeiter für das Weihnachtsgeschäft zu finden. Die Gewerkschaft fordert deshalb von den Logistikunternehmen, sich an den Tarifverträgen im Einzelhandel zu orientieren. Dort verdienen sogenannte Kommissionierer 11, 59 Euro pro Stunde.

„Konkurrenzfähige Löhne“

Amazon weist die Vorwürfe der Gewerkschaft zurück. Michael Bauer, Leiter des Logistikzentrums in Bad Hersfeld, betont: „Wir bieten auch ungelernten Kräften die Chance auf einen Arbeitsplatz.“ Zwei Drittel der benötigten saisonalen Mitarbeiter konnten bereits eingestellt werden. Viele von ihnen kämen auf Empfehlung anderer Mitarbeiter. Amazon verweist auf die „konkurrenzfähige, leistungsbezogene Bezahlung der Mitarbeiter“ und die Aufstiegsmöglichkeiten im Unternehmen.

Rückendeckung erhält Amazon von Arbeitsagenturchef Matthias Oppel. „Wir haben keinerlei Schwierigkeiten, Mitarbeiter für Amazon zu rekrutieren“, stellt er klar. Oppel verweist darauf, dass der von den Gewerkschaften geforderte Tariflohn im Einzelhandel für Personen mit einer abgeschlossenen Ausbildung gelte. „Amazon unterscheidet aber nicht nach Abschluss“, erklärt Oppel. „Einen Einstiegslohn von 8,57 Euro finde ich deshalb okay.“ Hintergrund/Zum TAge

Von Kai A. Struthoff

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