Weiter Kritik an Löhnen bei Logistikern / Protestwelle schwillt an

Gewerkschaft droht Libri mit Arbeitskampf

Bad Hersfeld. Der DGB erhöht den Druck auf die Logistiker. Nach der Kritik an vermeintlichen Billiglöhnen bei Amazon (wir berichteten) gerät nun die Firma Libri, der Buchhändler der Buchhändler, ins Visier der Kritik. Dort soll jetzt eine Tarifkommission Lohnforderungen durchsetzen.

„Seit 2005 wurden die Löhne der 500 Libri-Festangestellten nicht mehr erhöht“, kritisiert ver.di-Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke. Dabei seien die Umsätze des Buchhandelsriesen trotz Krise kontinuierlich gewachsen. Für den Großteil der Beschäftigten liegt der Verdienst nach Gewerkschaftsangaben bei 1651 Euro, nach Steuern blieben rund 1110 Euro netto übrig. „Wer als Alleinverdiener davon eine Familie ernähren muss, ist auf ergänzende staatliche Leistungen angewiesen“, sagt Middeke.

Gerade im Weihnachtsgeschäft werde den Mitarbeitern viel abverlangt: Wochenendarbeit, Überstunden, voller Einsatz. Deshalb wachse der Ummut in der Belegschaft, immer mehr Beschäftigte würden der Gewerkschaft beitreten.

„Wir hoffen, dass der Arbeitgeber wieder in den Tarifvertrag zurückkehrt“, sagt Middeke. Nach Tarif wäre für die Tätigkeit im Lager in der entsprechenden Lohngruppe 190 Euro mehr zu bezahlen, nämlich 1841 Euro brutto. Diesen Lohn will die Tarifkommission durchsetzen. „Auch ein Arbeitskampf ist nicht ausgeschlossen“, droht Middeke.

„Der Unmut wächst, die Streikbereitschaft in der Belegschaft ist hoch“, bestätigt auch die Betriebsratsvorsitzende Silvia Sander aus Bebra. „Die Grenze ist erreicht.“ Auch die von Libri gewährten Einmalzahlungen von 400 beziehungsweise 440 Euro würden die Steigerungen der Lebenshaltungskosten nicht auffangen.

Nach Erkenntnissen des DGB Nordhessen arbeitet jeder fünfte Hesse im Niedriglohnsektor, „und die Gehälter gehen eher runter“, sagt DGB-Chef Michael Rudolph. Er erwarte deshalb, dass sich die Protestwelle auch auf andere Betriebe der Region ausweiten werde. Zum Tage

Von Kai A. Struthoff

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