Fünf jugendliche Straftäter sind mit Projekt „Hersfelder Streetkids“ auf gutem Weg

Gewalt aus Langeweile

Bad Hersfeld. Die fünf Jungs im Alter von 15 bis 17 Jahren sind ausgesucht höflich. Dabei haben Ali, Mohammed, Fabian, Juri und Dominik* vor einigen Monaten noch Angst und Schrecken verbreitet. Sie gehörten zu den „Breiten-Kids“ und fühlten sich als Herren der Breitenstraße. Sie demütigten, schlugen, bedrohten und beraubten Passanten. In der vergangenen Woche mussten sie sich vor dem Jugendschöffengericht verantworten.

Die Jugendlichen, die das Gericht dort erlebte, konnten selbst kaum noch verstehen, was sie anderen angetan haben. Seit Anfang September nehmen sie, gemeinsam mit drei anderen, an dem Projekt „Hersfelder Streetkids“ teil, das von SMOG (Schule machen ohne Gewalt) in Zusammenarbeit mit dem Bundestrainer Kampfsport Michael Möller angeboten wird.

Respektvoll und fair

Von ihm und dem Sozialpädagogen und Antigewalttrainer Ulrich Waldschmidt lernen sie, respektvoll und fair miteinander und anderen umzugehen und Regeln zu akzeptieren. Sie können ihre Grenzen austesten, körperlich aktiv werden und sich bewähren. Ali, Mohammed, Fabian, Juri und Dominik nutzen ihre Chance. Sie wissen, dass bei einer Rückkehr in ihr altes Leben die Jugendarrestanstalt und der Jugendknast auf sie warten. Diesmal kamen sie mit Arbeitsstunden und der Auflage, am Projekt Streetkids weiter teilzunehmen, davon.

„Die Langeweile hat einen in die Stadt gebracht“, erzählt Dominik. Innerhalb der Gruppe hätten sich die Jungs dann gegenseitig hochgeschaukelt, ergänzt Jugendgerichtshelfer Helmut Licht. Er hat schon viele Jungen vom Kaliber der Breiten-Kids erlebt. In der Jugendarrestanstalt erhalten junge Straftäter entweder einen heilsamen Schock oder aber sie werden negativ geschult, weiß er. In der Hackordnung der Straße steigen jedenfalls diejenigen, die eingesessen haben, im Rang.

Umgekehrt ist es für die fünf Aussteiger aus der Gewalt- und Kriminalitätsspirale nicht leicht. Immer wieder werden sie von anderen Jugendlichen provoziert, zu Kämpfen und zum Kräftemessen herausgefordert.

Inzwischen haben sie keine Probleme mehr damit. Sie lehnen den Kampf nicht ab, laden aber zur fairen Auseinandersetzung in den Räumen der Kampfkunstschule von Michael Möller ein. „Meistens traut sich keiner, hierher zu kommen“, hat Dominik beobachtet.

Ali, der wegen zahlreicher Vergehen von der Schule geflogen ist, steht nun wieder mit einem guten Gefühl auf. Er besucht eine berufsbildende Maßnahme und freut sich jeden Tag auf die Schule. „Ich will was erreichen“, sagt er. Besonders wichtig sind ihm die Trainingsstunden und die Gespräch mit Ulrich Waldschmidt und Michael Möller.

Zweimal in der Woche trainieren die Jungs. Dabei geht es nicht etwa darum zu lernen, wie man am besten zuschlägt, sondern um Disziplin, Selbstbeherrschung und Fairness. Das Projektprogramm wird durch Übungen zum Umgang mit Konflikten und Gewalt, durch Einzel- und Gruppengespräche ergänzt. Helmut Licht ist davon überzeugt, dass die Jungs auf gutem Weg sind. Und er setzt darauf, dass sie auf andere als gutes Beispiel wirken.

* Namen von der Redaktion geändert

Von Christine Zacharias

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