Autonomes Frauenhaus Bad Hersfeld besteht seit 30 Jahren

Gewalt gegen Frauen ist unverändert groß

Bad Hersfeld. Das Autonome Frauenhaus in Bad Hersfeld besteht im Februar 30 Jahre. In dieser Zeit, so berichten die Mitarbeiterinnen Sabine Schütt-Dörrbeck, Rahel von Bucholtz und Doris Wagener, haben etwa 3000 bis 3500 Frauen und ihre Kinder dort Schutz gefunden.

Jedes Jahr sind es 50 bis 60 Frauen mit einer etwa ebenso großen Zahl Kindern, die dort aufgenommen werden. Sie stammen aus allen Altersgruppen, berichtet Schütt-Dörrbeck, und sie kommen aus allen Gemeinden des Kreises und aus allen Schichten. Das bestätigt auch Manfred Knoch, der Pressesprecher der Polizei, seit mehr als zehn Jahren Mitglied des Runden Tisches gegen häusliche Gewalt.

Die Zahlen sind seit 30 Jahren konstant, haben die Betreiberinnen des Hauses beim Blick auf ihre Statistik festgestellt. Die Hoffnung, sich selbst durch Aufklärung und Information, durch Arbeit mit den Frauen und Kindern überflüssig zu machen, habe sich leider nicht erfüllt, bedauert Schütt-Dörrbeck.

Stattdessen kämen inzwischen auch Frauen ins Haus, die selbst dort als Kinder mit ihren Müttern aufgenommen wurden und es als einen Ort der Hilfe in guter Erinnerung behalten hätten. Wie schwer es ist, sich von Gewalt als Muster in Beziehungen zu lösen, sehen die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses auch daran, dass junge Männer, die miterlebt haben, wie ihre Mütter von ihren Vätern misshandelt wurden, nun selbst zu Tätern würden, deren Partnerinnen im Haus Schutz suchten.

Wurde vor 30 Jahren, als das Frauenhaus eröffnete, die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung im ländlichen Raum noch angezweifelt – die Aussage „Bei uns kommt das doch nicht vor“, hörten die Gründerinnen oft – ist inzwischen weitgehend anerkannt, dass häusliche Gewalt auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg ein Problem ist. Frauen fällt es leichter, Hilfe zu suchen.

 

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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