Wochenendporträt: In Krisenzeiten war Amtsarzt Dr. Dieter Gobrecht gefragt

Gesundheitsschützer geht

Vom Bundeswehrkrankenhaus zur Behörde: Dr. Dieter Gobrecht hat mehr als 30 Jahre lang den Fachdienst Gesundheit beim Kreis Hersfeld-Rotenburg geleitet. Jetzt geht er in den Ruhestand. Foto: Maaz

Hersfeld-Rotenburg. Dr. Dieter Gobrecht war beim Landkreis Hersfeld-Rotenburg so etwas wie eine Institution. 30 Jahre lang hat er den Fachdienst Gesundheit geleitet. Auch als Amtsarzt ist der mittlerweile 64-Jährige vielen bekannt. Bevor er 1982 nach Bad Hersfeld ins Kreisgesundheitsamt kam, verlief sein Leben allerdings weniger konstant. Jetzt geht Gobrecht in den Ruhestand.

In der Schule sei es nicht immer gut gelaufen, erzählt Gobrecht. Bei Schilde absolvierte der gebürtige Bad Hersfelder zunächst eine Ausbildung als Starkstromelektriker. Später holte er das Abitur nach, studierte Medizin und war einige Jahre als Zeitsoldat im Bundeswehrkrankenhaus in Gießen tätig. 1982 wurde die Stelle im Kreisgesundheitsamt frei, und weil Gobrecht gerne zurück nach Bad Hersfeld wollte und er seinen Vorgänger gut kannte, bewarb er sich. Auch wenn der Job ein „ganz anderes Metier“ war.

Auch Leichenschau

Sein Büro mit Blick auf den Johannesberg hat Gobrecht seitdem sozusagen nie verlassen – nun übergibt er es an seinen Nachfolger. Ein reiner „Schreibtischtäter“ ist der 64-jährige Gobrecht aber nicht.

Zu den Aufgabengebieten des Fachdienstes Gesundheit gehören unter anderem der Seuchen- und Infektionsschutz, Trinkwasserreinheit, die Medizinalaufsicht für Berufe des Gesundheitswesens oder auch Tätowierer, die Aids-Beratung und das Betreuungswesen. Außerdem finden in Gobrechts „Abteilung“ die Schuleingangsuntersuchungen statt, es werden Gutachten zur Erwerbsfähigkeit oder Verhandlungsfähigkeit vor Gericht erstellt und seit einiger Zeit gehören auch Leichenschauen zu Gobrechts Tätigkeiten.

In den vergangenen 30 Jahren habe sich natürlich einiges verändert. „Ich habe viele neue Gesetze erlebt, die unsere Arbeit beeinflusst haben.“ Aus dem Bundesseuchengesetz beispielsweise wurde das Infektionsschutzgesetz, das präventives Handeln in den Vordergrund stellt. Auch ein Geschlechtskrankengesetz gibt es längst nicht mehr.

Mit einem Schmunzeln erinnert sich Gobrecht an Vogelgrippe, Schweinegrippe, SARS Ehec und Co: Wann immer eine solche gesundheitliche Bedrohung in den Medien auftauchte, „liefen die Telefone heiß“, weil besorgte Bürger anriefen. Deren Sorgen gelte es ernst zu nehmen. „Besonders die Tschernobyl-Katastrophe hat uns damals monatelang beschäftigt“, berichtet Gobrecht. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und der vermeintlichen Bedrohung durch Milzbranderreger seien er und seine Kollegen „mehrmals in der Woche ausgerückt, um weiße Pulver zu untersuchen.“

Den Kreis betrafen ganz konkret die Themen Asbest und Marsberger Kieselrot, eine dioxinbelastete Schlacke, die auch auf heimischen Sportplätzen zu finden war. Zu konkreten Gefährdungen sei es aber „Gott sei Dank“ nie gekommen. Auch Krankenhausskandale gab es bislang nicht, was Gobrecht mit auf die gute Arbeit des Gesundheitsamts zurückführt.

Von Nadine Maaz

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