Bad Hersfelder Festspiele: Robert Joseph Bartl spielt den Meister in „Krabat“

Der gestrenge Meister

Vielschichtige Figur: Robert Joseph Bartl (links, mit Anton Rubtsov in der Titelrolle) spielt den Meister in „Krabat“. Foto: Landsiedel

Bad Hersfeld. Die Augenklappe hat er immer bei sich. Robert Joseph Bartl spielt den Meister in Otfried Preußlers „Krabat“, eine undurchsichtige, diabolische Figur, und dazu muss er eine schwarze Augenklappe tragen.

Die ist extra für ihn angefertigt worden und hat, für die Zuschauer nicht erkennbar, einen Netzeinsatz, damit er zumindest ein bisschen was sehen kann.

„Der Meister ist super“, ist Bartl mit seiner Rolle sehr zufrieden. Am liebsten spielt er Figuren, die während des Stücks eine Entwicklung durchmachen, die am Ende ein anderer sind als am Anfang. Der Meister ist so eine Figur. Jeweils zu Beginn eines Jahres ist er jung und kräftig, ab Ostern ist er dann erkennbar gealtert und zum Ende des Jahres „ein uralter Mann“. Um seine Jugend wiederzuerlangen muss er, so sieht es der Pakt mit dem „Herrn Gevatter“ vor, jedes Jahr einen Burschen opfern.

Sanfte Seiten

Diesen moralischen Konflikt findet Bartl spannend. „Ich muss ja als Meister auch überleben. Wenn ich keinen der Burschen auswähle, würde es mich treffen.“ Gut findet der Schauspieler auch, dass der Meister auch sanfte Seiten hat, dass er Krabat aufrichtig zugetan ist, weil der ihn an seine eigene Jugend erinnert.

„’Krabat’ ist kein einfach gestricktes Märchen“, findet Robert Joseph Bartl. Das Stück greife vielmehr die große Themen des Menschseins und der Literatur auf. „Die Qualität des Konfliktes ist ähnlich wie bei Maria Stuart oder Faust.“ Die Figuren müssten sich immer wieder neu entscheiden. „Die Geschichte ist für Erwachsene genauso gut wie für Jugendliche“, ist Bartl überzeugt.

Sehr beeindruckt ist der renommierte Schauspieler, der unter anderem als Gerichtsmediziner im Tatort aus München zu sehen ist, von der Zusammenarbeit mit den Jugendlichen und den Flüchtlingen, die die Müllersburschen darstellen. „Ich werde bei jeder Probe überrascht“, sagt er . „Das ist sehr beglückend für mich!“ Er sei allerdings auch streng mit den Jugendlichen und bestehe zum Beispiel auf Pünktlichkeit oder auf Höflichkeit.

Es geht um Kunst

Auch die Leistung der Flüchtlinge, die in dem Stück mitspielen, nötigt ihm großen Respekt ab. „Wenn ich mir vorstelle, ich stünde in Aleppo auf einer Bühne und müsste da spielen und könnte die Sprache nicht und noch nicht einmal die Schrift lesen, dann habe ich schon große Ehrfurcht vor dem, was sie leisten“, stellt er fest. Er macht aber auch klar, dass es bei der „Krabat“-Inszenierung nicht um ein soziales Projekt gehe, sondern um Kunst. Daran müsste die Arbeit aller Mitwirkenden gemessen werden.

Nach Bad Hersfeld ist Bartl, der im vergangenen Jahr den Zirkusdirektor in der „Komödie der Irrungen“ gespielt hat, gerne zurückgekommen. „Letztes Jahr war alles neu, jetzt weiß ich schon, wo es das beste Brot gibt“, sagt er. Ganz begeistert war er, als er bei einer Radtour kürzlich an einer echten Mühle vorbeikam. Einen dunklen Meister mit schwarzer Augenklappe hat er da allerdings nicht entdeckt.

„Krabat“ in der Inszenierung von Joern Hinkel hat am 28. Juni um 20 Uhr Premiere. Es gibt noch Karten.

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