Comedian Ingo Appelt erklärt frech und frivol, warum Frauen „Göttinnen“ sind

An der Geschlechterfront

Ingo Appelt, hier bei seiner Udo-Lindenberg-Parodie, war am Donnerstagabend in der Stadthalle in Bad Hersfeld zu Gast. Foto: Hettenhasun

Bad Hersfeld. Quirlig und quasselig präsentierte Ingo Appelt dem Publikum in der gut besuchten Stadthalle mit seinem fast dreistündigen Programm „Göttinnen“ einen unterhaltsamen Lachmarathon.

„Hallelujah“ ertönte es zum Beginn, als der selbst ernannte „Messias der Weiblichkeit“ die Bühne betrat, „um den Frauen die ihnen gebührende Ehrerbietung darzubringen.“ Doch seine Faszination von dem weiblichen Geschlecht nimmt man Appelt am Ende nicht ab. Denn allzu positiv werden die Frauen gar nicht dargestellt. Und, wie er sie als dominierend, mit einem „Weichei“ von Mann an der Seite, beschreibt, sehen sich viele bestimmt nicht.

Altbekannte Klischeevorstellungen werden bei seinem Geschlechtervergleich aus der Schublade gezogen, zum Beispiel, dass Frauen gerne verschwenderisch einkaufen und an jedem Schuhgeschäft stehen bleiben. Männer sind bei Appelt schwach, dumm, brüllend und ausfallend. An diesem Bild seien sie selbst schuld, denn: „Was machen sie im Fernsehen? Kochen.“

Wie es dazu kam, dass der Mann in seiner Dauerbrunft gefangen sei, schilderte Appelt mit Adam und Eva und den Steinzeitmenschen beginnend. Kochen sei heute ein Akt männlicher Verzweiflung. Statt „mach’ mir den Hengst“ wolle die Frau nur „Lasagne“.

Fünf Sprachzentren

Frauen hätten im Unterschied zum Manne laut russischer Forscher fünf Sprachzentren. Wenn man deren Gehirn wegpuste, sprächen die immer noch. „Sind Frauen dick?“, fragte Appelt das Publikum. „Nein“, beantwortete er selbst, „sie leben in einem ausdehnenden Universum und haben Werbefläche.“

Rentner bezeichnete er als „notgeiles Friedhofsgemüse“. Die Männer lebten viel zu lange: „Wer soll denn die Scheiße bezahlen?“ Als Mann solle man auf sein Haltbarkeitsdatum achten, sonst wird man zum Gammelfleisch wie Udo Lindenberg, den Gunter von Hagen wohl in Eierlikör eingelegt habe. „Lasst euch rechtzeitig was Lustiges einfallen, um zu enden“, rät er, „so wie Rex Gildo. Fenster auf und hossa“.

Was Appelt sagt, ist nicht so ernst zu nehmen. Über seine Wortwahl kann man allerdings geteilter Meinung sein. Denn mit seinen ordinären Ausdrücken überschreitet er die Grenzen des guten Geschmacks. Manchmal wird es eklig. Aber wer zu Appelt hingeht, muss damit rechnen. Er ist nicht geläutert, auch wenn er sich „Messias“ nennt und „Hallelujah“ singt. Nichts ist ihm heilig. Erst recht nicht der Glauben und die Kirche. Auch Schwule und Türken provoziert er absichtlich.

Appelts Mission ist die Belustigung des Publikums. Dieses Metier beherrscht er bestens. Es dauerte keine fünf Minuten, da hatte er wie ein Gospelprediger die Zuschauer zum lautstarken Anfeuern animiert. Mit seinen Imitationen von Thilo Sarrazin, Walter Ulbricht, Angela Merkel, Til Schweiger, Dieter Nuhr, Mario Barth und Michael Mittermeier erntete er Beifallsstürme. Peinlich, aber sehenswert war er mit seinem als Udo Lindenberg verkleideten Striptease. Er ließ die Hose runter bis zum bitteren Ende, einem Höschen im Beate-Uhse-Look.

Von Vera Hettenhausen

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