Mit Geschick und Tempo

Arbeitskreis für Musik zeigt acht Produktionen im Bach-Haus

Klein aber fein: Als Ersatz für die große Oper in der Stiftsruine gibt es im Bach-Haus in diesem Jahr kleine Kostbarkeiten, die das Entdecken lohnen. Unser Bild zeigt Anna Lichtenstein als Louise Contat und Michael Mühmelt als Maurice Bretelle in „Ein Souper bei Madame Contat“. Foto: nh

Bad Hersfeld. Kleine musikalische Perlen werden derzeit im Bad Hersfelder Bach-haus vorgestellt. „Operette“ bedeutet kleine Oper. Einfach gestrickt die Handlung, etwa so: Claudine, jung, adrett, kommt aus der Provinz nach Paris und gerät dort gleich ins Prostituiertenviertel. Hier soll sie im Salon einer Baronin einen Dienstbotenjob finden? Sie ahnt Schlimmes und hat nur zu bald „genug vom Baroninnenkram“. Dann doch lieber zurück aufs Land und in die Arme ihres Liebsten Jacques.

„So gut wie heut’ war ich noch nie,“ sprudelt es heraus aus der berühmten Schauspielerin Louise Contat, als sie von einer gefeierten Premiere in ihre einsame Luxuswohnung heimkehrt. Doch es gibt noch unverhofften Besuch. Der Kadett Maurice ist im Zuge einer Wette in Madames Appartement vorgedrungen ...

Noch eine Operette, s’il vous plait? Edgard, erbberechtigter Neffe eines reichen Barons, versucht seiner Liebsten Virginie, einer Fischerin vom Fantasie-Helgoland, die adelsüblichen Umgangsformen beizubringen. Doch auch diese Fair Lady setzt ihr schönes Köpfchen in überraschenden Wendungen durch ...

Dass hier die Frauen am Ruder sind, legen schon die Titel der drei kurzen Stücke (zweimal 30 und einmal 45 Minuten) nahe: „Dienstmädchen gesucht!“ (Musik: Robert Planquette), „Ein Souper bei Madame Contat“ und „Die kleine Baronesse“ (beide von Frédéric Barbier). Historisch zu verorten sind sie im Paris der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Und zu genießen waren sie damals in den Cafés-Concerts“, Vergnügungsinstitutionen im Frankreich des Zweiten Kaiserreichs und der Belle Epoque..

Acht Produktionen

Zu genießen sind sie ganz aktuell im Bad Hersfelder Johann-Sebastian-Bach-Haus, wo nun das Musiktheater in kleinerer Ausgabe nach dem Exitus für die „Oper in der Stiftsruine“ heimisch werden soll. Zu danken ist diese Premierensaison mit acht Produktionen in der Hauptsache dem Institut für Musik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Drei Verbindungsleute führen das an der Fulda partiell schon bekannte Produktionsteam an: Daniel Hirschel, der die französischen Texte nicht nur übersetzte, sondern auch mit Sprachwitz (scharf-sinnig, Helgoland - Legoland), theaterwirksamen verbalen Schmierstoffen und Hintergrundinformation ausstattete. Dann Hugo Wieg, der sich in der Stiftsruine unter anderem als Mozart- und Verdi-Regisseur auszeichnete und nun eben mit Geschick, Tempo und Pragmatismus auch im kleinen Genre, doch auf echter, unterm goldgerahmten Portal elegant bestückter Bühne. Und schließlich Michael Stolle, in Bad Hersfeld zum Beispiel „Rigoletto“-Dirigent und jetzt dezent-umsichtig für die musikalische Bearbeitung und Leitung (vom Klavier aus und mit Assistenz des Geigers Matthias Erben, des Cellisten Arne Böker und der Flötistin Franziska Handmann) zuständig.

Viel Applaus

Den vier Gesangsabsolventen (aus der Klasse von Monika Meier-Schmid) saßen die sieben Partien wie angegossen: Sarina Mühmelt (Mezzosopran), Michael Mühmelt (Tenor), Anna Lichtenstein (Sopran) und Peter Fabig (Bass). Stimmlich sind die Timbres bereits fein ausgeprägt, hier und da fehlt es noch am Lagenausgleich. Am schönsten zu beobachten aber ist die schrittweise Gewinnung der Bühnensicherheit. Viel Applaus, Blumen und die Ermunterung: Nichts wie hin, es sind noch Plätze frei.

Von Siegfried Weyh

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