Obersberg-Schüler des bilingualen Profils treffen Zeitzeugen auf Point Alpha

Geschichtsstunde auf Englisch

Früher vorgeschobener Posten, heute Gedenkstätte: Die Obersberg-Schüler auf der Treppe des US-Wachturms unten von links: Fritz Krauser, lange Jahre Vize-Landrat in Eisenach, die Lehrer Jürgen Relke und Raymond King sowie Gabriele Hasper, die das Treffen in die Wege leitete. Foto: Lenz

Bad Hersfeld/Rasdorf. Wenn es darum geht, jungen Menschen in Deutschland seine Erfahrungen mit der innerdeutschen Grenzöffnung von 1989 und seine politischen Schlüsse daraus mitzuteilen, kann Leon Rios auch sehr früh aufstehen. In New Mexico, wo er sich gerade berufsbedingt aufhielt, war es gerade 4.30 Uhr, als der ehemalige Kommandeur der amerikanischen Streitkräfte in Bad Hersfeld am Donnerstagmittag per Internet-Liveschaltung auf einem Computerbildschirm in der Grenzgedenkstätte Point Alpha bei Rasdorf erschien.

US Army überrascht

20 Schülerinnen und Schüler des bilingualen Profils der Modellschule Obersberg folgten seiner Philosophie über das Zusammenspiel von militärischer Wachsamkeit und friedlichem Systemwechsel und erfuhren unter anderem, dass die US Army vom Fall des Eisernen Vorhangs völlig überrascht wurde.

Dass der ehemalige Offizier englisch sprach, war kein Problem: Es gehört zu den Merkmalen des bilingualen Profils, dass der Geschichtsunterricht auf Englisch stattfindet. Auf dem Lehrplan der jungen Leute in der Jahrgangsstufe 13 steht zur Zeit die deutsche Nachkriegsgeschichte, die sich 40 Jahre lang in zwei unterschiedlichen Staaten und Systemen vollzog.

Passend zum Profil hatte zunächst auch Karl Hohmann die jungen Gäste aus Bad Hersfeld in englischer Sprache durch die Ausstellung im „Haus auf der Grenze“ geführt und sie dort mit der Entstehung der DDR und dem Alltag im Grenzgebiet bekannt gemacht. In einem Seminarraum auf dem Gelände des früheren US-Postens sprachen dann weitere Zeitzeugen über ihre Erfahrungen mit der deutschen Teilung und speziell mit den amerikanischen Streitkräften, die bis nach der Wende auf westlicher Seite an der Grenze stationiert waren, unter ihnen der ehemalige Bürgermeister von Haunetal und langjährige Erste Beigeordnete des Wartburgkreises, Fritz Krauser, und ein ehemaliger Kommandeur der Bundeswehr in Rotenburg.

Anschauliche Erinnerungen

Eine ehemalige Grundschullehrerin, die im thüringischen Geisa aufgewachsen war, schilderte sehr anschaulich die staatlichen Repressalien, denen die Bewohner der grenznahen Sperrzone ausgesetzt waren.

Die Schülerinnen und Schüler wurden von ihren Lehrern Raymond King (Geschichte) und Jürgen Relke (Politik/Wirtschaft) begleitet. Initiiert hatte diese besonders lebendige Form des Geschichtsunterrichts Gabriele Hasper, die 1989 bei der US Army in Bad Hersfeld für die Kontakte zu deutschen Dienststellen und zur Öffentlichkeit zuständig war. Ihr ist auch die Verbindung zu Leon Rios zu verdanken.

Von Peter Lenz

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