Geistalschüler befragten Zeitzeugen zur Grenzöffnung und hielten Erinnerungen in einem Buch fest

Geschichte soll lebendig bleiben

Kreativ: Die Illustrationen sind während eines Kunstwochenendes entstanden

Bad Hersfeld. Jeder Zeitzeuge, der die Grenzöffnung 1989 miterlebte, hat seine eigenen Erinnerungen daran. Fünfzehn Schüler der Gesamtschule Geistal haben diese nun ein Jahr lang von Menschen aus der Region gesammelt und sie nun in ihrem Buch „Der Trabi fährt jetzt auch im Westen“ veröffentlicht.

„Ich hoffe, dass durch unser Buch die Geschichte lebendig bleibt“, erzählt die 16-jährige Maren Büxel. Die Idee, Erfahrungen und Erlebnisse vom November 1989 zu sammeln, entstand in der Arbeitsgemeinschaft „Grenzöffnung und Mauerfall“ der Gesamtschule Geistal. Nachdem die Schüler festgestellt hatten, dass sie trotz der Nähe zur früheren innerdeutschen Grenze kaum Geschichten über die Grenzöffnung kannten, starteten sie intensive Recherchen. Dabei sprachen sie in den folgenden Monaten mit Bundestags- und Landtagsabgeordneten, ehemaligen Beamten des Bundesgrenzschutzes und früheren DDR-Grenzsoldaten.

Beinahe alle Zeitzeugen waren bereit, ihre Erinnerungen aufzuschreiben. „Es geht um die persönliche Seite der Geschichte“, erklärt Julia Riedel (17). „Sie macht das Buch interessanter als normale Geschichtsbücher.“

Nachdem die Friedrich-Ebert-Stiftung von dem ehrgeizigen Projekt erfahren hatte, erklärte sie sich zur Finan-zierung des Buches bereit. Daraufhin trafen sich die Schüler an rund sechs Wochenenden mit ihrem Lehrer Holger Reuning, um die Geschichten zu sammeln, aufzuschreiben und selbst zu illustrieren. „Die ansprechende Gestaltung macht es einfacher, sich die Geschichte einzuprägen“, meint Sarah Knierim (16).

Grenzer und Student

Die Erinnerungen, die es in das fertige Buch geschafft haben, sind vielfältig. So wurde die Geschichte eines ehemaligen „DDR-Grenzers“, der vom gelegentlichen Kontakt mit amerikanischen Soldaten auf der anderen Seite erzählt, aber auch die eines Studenten, der im fernen Brasilien vom Mauerfall hört und in ein verändertes Deutschland zurückkehrt, festgehalten. Im Rahmen des Projekts unternahm die Gruppe zudem mehrere Ausflüge an geschichtsträchtige Orte, unter anderem ins Stasi-Archiv nach Erfurt. Dort konnten die Schüler ganze Lebensläufe anhand von akribisch geführten Akten nachverfolgen. Außerdem besuchten sie die Gedenkstätte Point Alpha und wanderten auf dem „Kolonnenweg“ zwischen Bad Sooden-Allendorf und Eschwege. Zum Abschluss ist nun eine Fahrt in die Bundeshauptstadt Berlin geplant.

Verkauf in der City-Galerie

Am kommenden Samstag, 26. Januar, bieten die Schüler ihr Buch von 10 bis 17 Uhr an einem eigenen Stand in der City Galerie zum Verkauf an. Danach ist es zum Preis von 8,50 Euro in der Hoehlschen Buchhandlung erhältlich.

Von Nicole Wagner

Kommentare