Neue Stolpersteine in Bad Hersfeld erinnern an Holocaust-Opfer

Auf den Spuren ihrer Vorfahren: Assaf Naveh und seine Frau Yasmine aus Israel mit dem Stolperstein von Oppenheim. Foto: Dessauer

Bad Hersfeld. Obwohl Assaf Naveh (50) seinen Großvater Siegfried Oppenheim, der 1936 mit seiner Familie vor den Nazis ins ehemalige Palästina flüchtete und dort aus beruflicher Perspektivlosigkeit in den Freitod getrieben wurde, nie kennengelernt hat, steht er vor dem Haus in der Badestube 4 in Bad Hersfeld. Hier erinnern Stolpersteine an seine Vorfahren.

In dem Haus lebte Oppenheim und betrieb eine koschere Metzgerei. Naveh, der mit seiner Frau Yasmine aus Israel angereist ist und heute der Verlegung des Stolpersteins für seinen Großvater beiwohnt, kommt ins Grübeln.

„Das Wissen um den Ort gibt mir eine Idee davon, wie mein Leben hätte verlaufen können, wenn mein Großvater überlebt hätte“, sagt Naveh, als er auf den Stolperstein seines Großvaters hinab sieht, und fügt hinzu: „Das hätte mein Geschäft sein können.“

Doch durch den Verlauf der Geschichte kam alles anders und Naveh ist heute Vize-Präsident eines global agierenden Düngemittelherstellers in Israel.

Die Stolpersteine sollen an die Namen und die Schicksale der Holocaust-Opfer erinnern. Während der feierlichen Zeremonie, die die Verlegung des Steins begleitet, und während seiner Rede ist Naveh ruhig, beherrscht.

Er lauscht, obgleich er kaum Deutsch spricht, den Worten von Heinrich Nuhn von der Stolpersteininitiative Bad Hersfeld, der „jeden Stein als ein Schicksal“ bezeichnet. Prädikant Werner Schnitzlein erzählt vom Weg Oppenheims ins Exil und Stadträtin Antje Fey-Spengler ruft in ihrer Rede zur Wahrung der Menschenrechte, unabhängig von Religion und Geschlecht, auf.

Am Ende ergreift Naveh noch einmal das Wort: „Von dem Moment an, als ich geboren wurde, lernte ich, mich zu verteidigen. Mein ganzes Leben hörte ich Geschichten von Menschen, die sich nicht selbst verteidigen konnten. Wir tun so viel wir können, um die Freiheit zu bewahren.“

Weitere 17 Stolpersteine wurden in der Badestube 8, der Breitenstraße 3a, der Bahnhofstraße 2, 4 und 11 sowie der Johannesstraße 7 verlegt. Im März 2017 soll die vierte Verlegung mit 14 Steinen folgen. In Rotenburg kommt es bereits am 11. September zur Verlegung des Stolpersteins für Siegfried Katzenstein Im Zwickel 13.

Mehr zum Thema

Kommentare