250 Dinge, die wir an der Region mögen (31): Historische Ruhestätten

Geschichte auf Grabsteinen

Auch Konrad Duden ist auf dem Bad Hersfelder Hauptfriedhof beigesetzt. Foto: Manns

Bad Hersfeld. Viele Fußgänger, die vom Falkenblick in die Innenstadt von Bad Hersfeld gehen wollen, nutzen die Wege über den Hauptfriedhof als Abkürzung. Am Rande dieser Wege stehen Grabdenkmäler, die unzertrennlich mit der Geschichte der Festspielstadt verbunden sind. Ob sich manche der vielen Fußgänger über die geschichtlichen Hintergründe und Bedeutungen dieser historischen Grabsteine bewusst sind, mag dahingestellt sein.

Im unteren Bereich entlang der Stützmauer befindet sich das Grab von Geheimrat Dr. Konrad Duden. Dieser historische und für Bad Hersfeld bedeutende Name ist sehr eng mit der Geschichte dieser Stadt verbunden. Dr. Konrad Duden war von 1876 bis 1905 Direktor des königlich-preußischen Gymnasiums, der heutigen Klosterschule. Fast jeder hat schon mal im „Buch der deutschen Rechtschreibung“, dem „Duden“, nachgesehen, ob das eine oder andere Wort auch richtig geschrieben ist.

Gleich hinter dem Grab Dudens ist die letzte Ruhestätte von Polizeioberrat im BGS Bernhard Kuhn. Er war von 1966 bis 1977 Abteilungskommandeur der damaligen Bad Hersfelder Grenzschutzabteilung Mitte 2. Bekanntlich wurde der BGS-Standort zum 1. Januar 1998 trotz heftiger Proteste der Bevölkerung und der örtlichen Politiker aufgelöst.

Auch Familiengräber der ehemaligen Tuchfabrikanten Rechberg und Braun stehen entlang des Weges und erinnern an den einstigen starken Textilstandort Bad Hersfeld.

Viele Menschen ohne Arbeit

Nach dem Niedergang der Textilindustrie in den 1960er Jahren galt es für die vielen Menschen ohne Arbeit, neue Möglichkeiten einer Beschäftigung zu finden. Für neue Industrieansiedlungen setzte sich der damalige Landrat Edwin Zerbe sehr stark ein. Er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass der damalige Trevirakunstfaser-Hersteller, die Hoechst AG, sich mit einem Werk in Bad Hersfeld ansiedelte und so viele neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Er war von 1955 bis 1970 Landrat des damals noch selbstständigen Landkreises Hersfeld, gehörte einige Jahre als Abgeordneter der SPD dem hessischen Landtag an und war von 1965 bis 1967 Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Edwin Zerbe verstarb 1992 und wurde auf dem Hauptfriedhof in Bad Hersfeld neben seiner Frau Anni begraben.

Das Familiengrab der Dachbahnen-Fabrikanten Börner – mit dem Gründer der Firma Georg Börner und seiner Familie – erinnert an ein bis heute gut geführtes mittelständisches Familienunternehmen.

Der im Jahr 2003 verstorbene Verleger der Hersfelder Zeitung, Hans-Joachim Ott, wurde ebenfalls im Familiengrab beigesetzt.

Im oberen Bereich des Friedhofs befinden sich einige Kriegsgräber, hier steht ein wohl einmaliges Denkmal, es ist ein Flugzeugpropeller und ist vermutlich einem gefallenen Flieger im Ersten Weltkrieg gewidmet. (gm)

Kommentare