Der Dokumentarfilm „Bis an die Grenze“ zeigt neue Bilder vom Berliner Mauerbau

Geschichte mit Gänsehaut

Schmalfilm mit Riesenwirkung: Die Filmemacher Claus Oppermann und Gerhard Grote mit Dr. Henning Pietzsch (Point Alpha Stiftung) und Kino-Chef Horst Martin (von links). Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Es war der traurigste Tag in der Berliner Geschichte: Am 13. August 1961 ließ die DDR-Regierung unter Walter Ulbricht die Mauer bauen: 155 Kilometer grauer Beton, eine schmerzende Narbe inmitten der Metropole, das hässlichste Monument der Welt. Die Bilder vom Mauerbau gingen um die Welt: Weinende, winkende, fassungslose Menschen hüben und drüben in der fortan für 28 Jahre geteilten Stadt.

Den Filmemachern Claus Oppermann und Gerald Grote ist es jetzt gelungen, einen völlig neuen Blick auf das geteilte Berlin zu werfen. „Bis an die Grenze“ heißt ihr Dokumentarfilm, für den sie gut 50 Stunden bisher unveröffentlichtes Schmalfilmmaterial aus dem Besitz von Hobbyfilmern zu einem anrührenden, packenden und dramatischen Zeitdokument verarbeitet haben.

Kooperation mit Point Alpha

Der Film wurde jetzt in Zusammenarbeit mit der Point-Alpha-Stiftung in Geisa und Rasdorf in Bad Hersfeld und anderen Kinos in der Region gezeigt. Vor allem Schulklassen hatten so die Möglichkeit, einen fast intimen Einblick in die Schicksalsstunden Berlins zu erhalten. Unterstützt wurde die Aktion von den Landeszentralen für Politische Bildung in Hessen und Thüringen.

„Es sind Bilder, die Geschichte von unten erzählen“, sagt Gerhard Grote. Obwohl die beiden aus Schleswig-Holstein stammenden Filmemacher selbst keinen persönlichen Bezug zur deutschen Teilung hatten, erlebten sie im Gespräch mit den schmalfilmenden Zeitzeugen die jüngste deutsche Vergangenheit hautnah. „Für viele der Hobbyfilmer ist dieser Dokumentarstreifen ihr persönliches Vermächtnis“, sagt Claus Oppermann.

Über Zeitungsannoncen, Rundfunk und Fernsehbeiträge sowie später auch Schmalfilmklubs kamen die Filmemacher in Kontakt mit den Hobbyfilmern. 18 Monate arbeiteten sie an dem Film, für den sie rund 250 Schmalfilmbänder sichteten. Trotzdem war der Dokumentarfilm insgesamt nur so teuer wie eine Minute ARD-Tatort – ist aber dafür mindestens ebenso spannend.

Teils wackelige Bilder, die die innere Erregung beim Drehen sichtbar machen, rollende Panzer, lachende Soldaten, weinende Menschen – vor allem aber der ungebrochene Wille der Berliner, sich nicht mit der brutalen Teilung ihrer Heimatstadt abzufinden: All das zeigt dieser Film.

Am Donnerstag nutzten auch mehrere Schulklassen aus der Region, darunter der Politik-Leistungskurs der Werratal-Schule in Heringen, die Gelegenheit, „in 95 Minuten soviel zu lernen wie in zehn Unterrichtstunden“ (Gerald Grote). Kinobetreiber Horst Martin überlegt nun, den Film erneut, vielleicht als Matinee, in Bad Hersfeld zu zeigen. Der Gänsehautfaktor des Kalten Krieges ist dabei garantiert. Infos und Trailer unter www.bis-an-die-grenze.de. Den Film gibt es für 10 Euro auch auf DVD. Kontakt: info@8mm-kino.de, www.8mm-kino.de.

Von Kai A. Struthoff

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