Shanty-Festival in der Stiftsruine am Samstag - Shanty-Chor der Marinekameradschaft Bad Hersfeld als Gastgeber

Mit Gesang auf großer Fahrt

Sein Lieblingsstück ist der bekannte Feierabend-Shanty „Rolling Home“. Harry Bleul (mit Mikrofon), der Mann der ersten Stunde, ist auch mit 85 Jahren noch aktiv. Foto:  Schmidl

Bad Hersfeld. So manchen Sturm erfolgreich überstanden und einige Klippen umschifft haben die Männer des Shanty-Chores der Marinekameradschaft in den vergangenen 50 Jahren. Mit Stolz blicken sie als ältester Shanty-Chor in Hessen zurück, der mit zahlreichen Auftritten weit über den „Heimathafen“ Bad Hersfeld hinaus bekannt wurde.

Heut geht es an Bord

Zu den Höhepunkten der Vereinsgeschichte gehörte sicherlich das erfolgreiche „Shanty-Live“ im Jahr 2004 in der Stiftsruine. Im Jubiläumsjahr 2011 luden die Hersfelder Seebären zehn Chöre aus Hessen und Niedersachsen zu einem Shanty-Festival abermals in das „Kirchenschiff“ ein, das über 1 150 Passagiere an Bord hatte. Mit „Heut geht es an Bord“ stimmten die Gastgeber unter der Leitung von Volker Henning, der auch die Moderation übernahm, sehr passend auf die musikalische Reise über die sieben Weltmeere ein.

Mit viel Applaus wurden die jeweils drei Beiträge der Gastgeber und der Gastchöre belohnt, zu denen der Shanty-Chor Unterhaun unter der Leitung von Henner Kurz, die Shanty-Crew aus Lich unter der Leitung von Reiner Sommerlad und der Shanty-Chor Spaden e.V. unter der Leitung von Melanie Kunert gehörten. Der seit Jahrzehnten befreundete Chor aus Niedersachsen hatte die weiteste Anreise und mit „Lieselott aus Bremerhaven“ und dem „Hein-Mück-Medley“ die passenden Lieder im Gepäck.

Zum ersten Mal zu Gast war der Shanty-Chor Eschersheim, der ebenfalls auf das Kommando einer Frau hört. Christine Schwab hat „ihre Männer“ voll im Griff und mit „Rio Grande“ und „John Kanaka“ eine viel bejubelte Liedauswahl getroffen.

Zu den sieben Weltmeeren gehören nicht nur die Nord- und Ostsee, sondern nach eigener Aussage der Mitglieder vom Edersee-Shanty-Chor-Waldeck auch ihr Namensgeber. Wilhelm Ende dirigiert die Herren mit Bart und weißen Hemden, die einen Kontrast zu den bevorzugten blauen Finkenwerder Fischerhemden boten, die auch von den Shanty-Männern aus Homberg-Borken für das einheitliche Erscheinungsbild ausgewählt wurden. Musikalisch begleitet wurden die sangesfreudigen Seebären und eine einzige Seebärin von Akkordeons, Gitarren und Mundharmonikas. Instrumente, die bestens mit Seemannsliedern wie „Old Maui“ oder „South Australia“ harmonieren. Die gehörten zum Repertoire des Shanty-Chores Rüsselsheim unter der Leitung von Sonja Guthmann.

Ihrem Auftritt folgten die Chöre „Achtern Diek“ aus Wetzlar und Landwehrhagen, die nach einer dreistündigen Seereise gegen die Kälte und eine aufkommende Erschöpfung des Publikums ansingen mussten.

Es war sicher gut gemeint, die Obersuhler Blasmusik unter der Leitung von Thorsten Gräf zu verpflichten, die mit ihren schwungvollen Weisen zum Einlass einstimmte und die Umbauphasen musikalisch hochkarätig, aber länger als nötig überbrückte. Außerdem waren die vierzig Musikerinnen und Musiker am Bühnenrand so unglücklich platziert, dass der Blick auf die dahinter stehenden Hauptakteure des Abends sehr beeinträchtigt war.

Von Gudrun Schmidl

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