Gesammelte Erinnerungen an zwölf turbulente Monate

Kai A.

Zwischen den Jahren scheint die Zeit still zu stehen. Das politische Leben ist zum Erliegen gekommen. Wer kann, macht jetzt Urlaub. Die Erinnerung an das Weihnachtsfest liegt wie der süße Nachgeschmack von Schokolade auf der Zunge. Körper und Geist kommen endlich zur Ruhe. Jetzt ist die Zeit, um Bilanz zu ziehen.

Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter uns. Wir haben eine neue Bundes- und eine neue Landesregierung, die jetzt so richtig mit der Arbeit beginnen. Mit Helmut Heiderich und Michael Roth haben wir gleich zwei Interessenvertreter in Berlin. Michael Roth sitzt als Staatsminister sogar mit am Kabinettstisch. Für unsere Region kann der direkte Draht zur Regierung nur gut sein. Michael Roth weiß, dass das diplomatische Parkett in Europa glatt ist. Deshalb wünschen wir ihm für seine neuen Aufgaben die SPD-sprichwörtlich ruhige Hand und viel Fortune.

Auch in unserer Region war viel los: In Hohenroda hat der jüngste Bürgermeister Hessens, André Stenda, mit seiner jugendlich-frischen Art viele Sympathien gewonnen. In Friedewald hat Bürgermeister Dirk Noll inzwischen schon mehr als ein Jahr „auf dem Buckel“ und lenkt die Gemeinde nach turbulenten Jahren wieder in ruhiges Wasser.

Ralf Orth, der Routinier aus dem Werratal, ist mit überzeugender Mehrheit wiedergewählt worden. In Kirchheim wird immer noch hitzig über die Begleiterscheinungen des Schutzschirms diskutiert – einfach ist das für die Autobahngemeinde nicht.

Turbulent bleibt es auch in Haunetal, wo Bürgermeister Euler immer noch krank ist. Dass die gleichsam kopflose Gemeinde trotzdem funktioniert ist das Verdienst der Gemeindeverwaltung, die von Ordnungsamtsleiter Volker Heise zusammengehalten wird. Hoffen wir, dass Bürgermeister Stefan Euler im kommenden Jahr mit frischen Kräften zurück an die Arbeit kommt. Der Bürgermeister-Job ist nicht leicht.

Davon kann natürlich auch der streitbare Hans Ries in Heringen ein Lied singen, der sich mit seinem Stadtparlament immer wieder neue Schlachten liefert. Ob die Bürger allerdings noch verstehen, was da am Fuße des Salzbergs los ist, wage ich zu bezweifeln. Denn selbst wir Journalisten verlieren mit diesen Stadtparlament langsam die Geduld.

Tja, und dann ist da noch Bad Hersfeld. Erbittert wurde hier in den vergangenen Monaten um die beiden großen Themen Festspiele und Windkraft gestritten. Die Stadt ist tief gespalten. In dieser Auseinandersetzung polarisiert besonders Bürgermeister Thomas Fehling. Die Kritiker werfen ihm vor, die Festspiele und damit das Tafelsilber unserer Stadt zu gefährden. Auch sein Haushaltsentwurf hat Protest hervorgerufen.

Doch es gibt auch Stimmen, die Fehling für seinen „Mut“ loben, „unbequeme Einschnitte“ zu machen. Vor diesem Hintergrund wird das kommenden Jahr in Bad Hersfeld besonders spannend. In der Haushaltsdebatte müssen sich die Parteien zusammenraufen und Farbe bekennen. Die zuweilen etwas selbstherrliche „Durchwink-Politik“ der einstigen Mehrheitsfraktion ist vorbei, denn sie hat keine Mehrheit mehr. Das Stadtparlament muss sich neu sortieren, und das kann nicht schaden. Und noch eine spannende Entscheidung steht an. Bis Anfang Februar muss über den Bau von Windrädern auf dem Wehneberg entschieden werden. Die Mediation hat bislang noch keine Annäherung gebracht. Im Stadtwald bleibt es deshalb wohl vorerst stürmisch.

Auch für unsere kleine Zeitung geht ein anstrengendes Jahr zu Ende, das uns alle an unsere Grenzen geführt hat. Zwölf Monate haben wir mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, unseren 250. Geburtstag gefeiert. Wir haben gesungen, gerätselt, geradelt und geschwoft. Mir persönlich ist vor allem meine Jubiläumsradtour und die herzliche Gastfreundschaft so vieler netter Menschen am Wegesrand in guter Erinnerung geblieben. Es war ein tolles Jubiläumsjahr – aber wir sind auch alle froh, dass bis zum nächsten runden Geburtstag ein paar Jahre Zeit sind.

Konzentrieren wir uns also jetzt auf 2014. Sicher wird wieder viel passieren, und wir werden darüber berichten – so, wie seit 250 Jahren.

Im Namen von Verlag und Redaktion wünsche ich Ihnen und Ihren Familien einen guten Rutsch in ein erfolgreiches, gesundes und hoffentlich friedliches neues Jahr.

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