Vorwurf gegen Lehrer: Kinderpornos gespeichert – Verhandlung im April oder Mai

Gut gerüstet ins Gefecht

Schwieriger Job: Ein Ermittler des Landeskriminalamtes sichtet Bilder im Internet. Dem Lehrer aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg wird vorgeworfen, Bilder, die den Missbrauch von Kindern zeigen, auf seinem Computer gespeichert zu haben. Archivfoto: AP

Hersfeld-Rotenburg. Die Gerüchteküche brodelt heftig. „Warum nur zieht sich dieses Verfahren so in die Länge?“, fragen sich viele. Der Prozess gegen den Lehrer aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg, dem vorgeworfen wird, 28 kinderpornografische Bilder auf dem Rechner seines Computers gespeichert zu haben. verzögert sich weiter. Die Hauptverhandlung soll jetzt im April oder Mai stattfinden.

Das Amtsgericht Rotenburg allerdings sieht keinen Anlass für wilde Spekulationen. Für den Direktor des Amtsgerichts, Harald Jungkurth, und die zuständige Richterin Stefanie Froitzheim, steht fest: Es gibt handfeste, unabänderliche Gründe dafür, dass dieses Verfahren sich zieht wie Kaugummi.

Anwalts-Wechsel

Der Computer des Lehrers war bereits im November 2007 sichergestellt worden. Im März 2009 lag die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vor. Richter Erik Geisler vom Amtsgericht Rotenburg entschied, die Anklage zuzulassen. Im April wechselte der Lehrer seinen Anwalt. Im Mai beauftragte er wieder einen neuen Anwalt. „Wir mussten den neuen Anwälten immer wieder Zeit geben, sich in die Akten einzuarbeiten“, berichtet Jungkurth.

Richter-Wechsel

Ein erster Termin für die Hauptverhandlung war auf Juni 2009 festgelegt worden. „Damals sagten zwei wichtige Zeugen ab“, erläutert Direktor Jungkurth, warum der Termin platzte. Richter Geisler wechselte Ende September ins Justizministerium nach Wiesbaden. Bis dahin schaffte er es nicht mehr, „alle 15 Zeugen, die in ganz Deutschland verstreut wohnen, für einen Termin unter einen Hut zu bringen.“ Zudem war im Juli und August Ferienzeit.

„Ohne diesen Wechsel wäre die Sache schon über die Bühne“, betonte Jungkurth. Nachfolgerin von Richter Geisler wurde am 1. Oktober Stefanie Froitzheim.

Dann waren zunächst einmal die Akten unterwegs. Ein anderes Gericht hatte um Akteneinsicht gebeten. Ende November kamen die Unterlagen zurück. „Dann musste ich mich erst mal in die umfangreichen Akten einarbeiten“, berichtet Richterin Froitzheim.

Beweis schwierig

Jetzt will die Richterin noch klären, ob es nötig ist, einen Sachverständigen einzuschalten. „Wir müssen in so einem Fall nachweisen, dass sich die beschuldigte Person die Bilder bewusst auf dem Computer gespeichert hat“, erklärt Froitzheim.

Theoretisch könnten die Bilder auch durch ein Versehen auf dem Rechner gespeichert worden sein, ohne Wissen des Angeklagten. Dieser Nachweis sei mitunter äußerst problematisch. Da sei Sachverstand gefragt, betonte die Richterin. „Wir müssen den Besitzwillen nachweisen, beweisen, dass der Beschuldigte sich die Bilder mehrfach angesehen hat“, sagte sie.

So müssen die Richter gut vorbereitet in solche Verhandlungen gehen - gut vorbereitet auf die Wort-Gefechte.

Jungkurth sprach von einem umfangreichen Verfahren mit vielen Zeugen. Das könne man nicht übers Knie brechen. „Wir wollen Transparenz. Wir wollen, dass die Menschen unsere Entscheidungen verstehen.“

Von René Dupont

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