Initiative Sozial kritisiert Ein-Euro-Job-Verfahren

Gerichte kassieren viele Kürzungen

Hersfeld-Rotenburg. Die vergleichsweise niedrige Sanktionsquote für arbeitsunwillige Leistungsempfänger im Kreis Hersfeld-Rotenburg wird auch von den Interessenvertretern der Arbeitslosen begrüßt. „Sanktionen sind ohnehin umstritten und das falsche Instrument“, sagt Gerhard Amend, der 1. Vorsitzende der Initiative Sozial, die sich um die Betreuung von Leistungsempfängern kümmert. Rund 60 Prozent aller Leistungskürzungen würden bundesweit von Gerichten kassiert, weil sie nicht bestandsfähig sind, berichtet Amend. Zudem würden Sanktionen die Betroffenen meist nur noch weiter in eine Schuldenspirale treiben.

Auch Amend bescheinigt den Arbeitsvermittlern der Optionskommune, dass sie „einen guten Job“ machen. Vor allem die Werkakademie hält auch er „für eine tolle Sache“. Er empfehle allen Betroffenen, dorthin zu gehen. Die halbtägigen Kurse, die acht Wochen dauern, helfen dabei, die Arbeitslosen langsam, aber gezielt wieder an eine Beschäftigung zu führen.

Das sei längst nicht bei allen Maßnahmen so. „Oftmals werden die Langzeitarbeitslosen mit Kursen überfrachtet“, sagt Amend. „Wer zum vierten mal zum Bewerbungstraining geschickt wird, geht nicht sehr motiviert dort hin.“

Amend, der viele Arbeitslose bei ihrem Gang ins Jobcenter des Kreises begleitet, weiß, dass auch die Arbeitsvermittler es oft nicht leicht haben. Häufig gebe es beispielsweise Missverständnisse, weil offizielle Schriftstücke nicht verstanden oder erst gar nicht erst gelesen werden. „Manchmal tun sich da Abgründe auf“, räumt Amend ein. Dennoch hält er nichts vom Zwang, sondern setzt ebenfalls lieber auf Motivation.

„Zweifelhafte VIA“

Für „ausgesprochen zweifelhaft“ hält Amend allerdings die Arbeit der kreiseigenen VIA, des „Vereins zur Integration von Arbeitskräften“, der auch schon wegen des Verdachts der Schwarzarbeit in das Visier der Staatsanwaltschaft geraten war. Die dortige Praxis der „Ein-Euro-Jobs“ wird nicht nur von Amend kritisiert.

„Ein-Euro-Jobs sollten immer das letzte Mittel sein und auch nur, wenn sie mit einer Qualifikation der Arbeitnehmer verbunden ist“, betont Amend. Dies würden auch neue gesetzliche Regelungen so vorsehen. (kai)

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