29-Jähriger aus Rotenburg zu zehn Monaten verurteilt

Gericht: Keine Bewährung für Schläger

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Bad Hersfeld. Wegen Körperverletzung in drei Fällen hat die Strafrichterin am Bad Hersfelder Amtsgericht einen 29-Jährigen aus Rotenburg zu zehn Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Die Chance der Bewährung musste dem Arbeitslosen versagt werden, weil er einschlägig vorbelastet und zudem nicht Willens war, seine Alkoholsucht therapieren zu lassen.

Nüchtern ist er ein lieber, netter Kerl. Hat er getrunken, wird’s für seine Mitmenschen jedoch unangenehm, mitunter sogar gefährlich. Das Problem: Letzteres ist bei einem 29 Jahre alten Arbeitslosen aus Rotenburg viel zu oft der Fall. „Zwei Promille sind für mich normal“, räumte er freimütig ein, als er sich jetzt wegen Körperverletzung in drei Fällen vor Strafrichterin Silvia Reidt am Bad Hersfelder Amtsgericht verantworten musste.

Weil sich das schlichte Gemüt auch in diesem Zustand noch für einen umgänglichen Menschen hält, der keinen Ärger macht, solange sein Umfeld nach seinen Vorstellungen funktioniert, sieht der mittlerweile in Bebra lebende Rotenburger keine Veranlassung, seine Alkoholsucht therapieren zu lassen. Keine Bewährung Das und der Umstand, dass er einschlägig vorbestraft ist, machte es dem Gericht unmöglich, dem Angeklagten nochmals die Chance einer Bewährung zu geben. Zehn Monate Freiheitsentzug lautete am Ende das Urteil.

Bis zu einer eventuellen Berufungsverhandlung vor dem Landgericht in Fulda können der 29-Jährige und sein Verteidiger Christian Kusche nun daran arbeiten, der Berufungskammer die für eine Bewährung zwingend erforderlichen Argumente für eine günstige Sozialprognose vorzulegen.

Ohnehin wird es nicht einfach werden, den Rotenburger vor dem Gefängnis zu retten. Denn am Abend des 1. September 2012 hatte er einen Bekannten im Streit mit der Faust derart heftig ins Gesicht geschlagen, dass dieser mehrere Brüche im Augenbereich, in der Kieferhöhle, am Jochbogen, des Nasenbeins und des Oberkiefers sowie eine Gehirnerschütterung erlitt. Dass sich der mit etwa vier Promille noch betrunkenere Widersacher, dem der Rotenburger in den Tagen zuvor Kost und Logis gewährt hatte, extrem schlecht benommen hatte, verkannte das Gericht nicht.

Ein zweiter Vorfall hatte sich am Morgen des 2. März vergangenen Jahres vor einem Café am Rotenburger Marktplatz ereignet. Hier versuchte der stadtbekannte Mann, den Hund eines Passanten zu streicheln. Als sich dieser das in wohl etwas unfreundlichem Ton verbat und sich schließlich auch noch der Wirt des Cafés einmischte, kam es erst zu einer Schubserei, dann zu Schlägen des Rotenburgers, die diesmal jedoch keinen großen Schaden anrichteten. „Ich darf das nicht machen. Aber ich habe es gemacht“, sagte der einsichtige und vor Gericht auch nüchterne Angeklagte. Sein Anwalt gab die Sichtweise der Mutter seines Mandanten wieder: „Da sitzen zwei auf der Anklagebank. Der liebe, nette Sohn, und der, den die Zeugen geschildert haben.“

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