Leichtgläubigkeit hatte sich herumgesprochen

Vor Gericht: Geschäftsmann mit wüsten Storys erpresst

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Bad Hersfeld. Um die Geschichte des alten Mannes, der durch dreiste Betrüger um sechsstellige Euro-Beträge geprellt wurde, ging es am Donnerstag vor dem Bad Hersfelder Amtsgericht.

Die Geschichte des ebenso vermögenden wie leichtgläubigen Mannes wurde schon mehrfach erzählt. Am Donnerstag fand vor Strafrichterin Silvia Reidt ein fünfter Prozess in dieser beispiellosen Reihe statt, doch zu einem Urteil kam es nicht.

Das lag vor allem am Geschädigten selbst: der 79-Jährige Ex-Unternehmer, der im September 2012 einer wüsten Geschichte von Erpressung und Entführung auf den Leim gegangen war und als Lösegeld bei drei Übergaben Summen zwischen 6000 und 9000 Euro locker gemacht hatte, erinnerte sich zwar an Vieles, doch an manches nicht genau genug. Das betraf auch den Angeklagten, einen 36-jährigen Sinto aus Bad Hersfeld. Den hatte der Zeuge zwar damals bei der Polizei auf einem Foto als jenen „Jura-Studenten Fischer“ identifiziert, der ihn um finanzielle Hilfe für die angeblich bedrohte „Laura Weiß“ gebeten hatte. Doch gestern im Gerichtssaal war sich der alte Herr ganz sicher, dass es sich beim Angeklagten nicht um besagten Fischer handelte.

Da sich die Leichtgäubigkeit des Geschäftsmanns zur Tatzeit unter den Sinti herumgesprochen hatte und er gleichzeitig von mehreren Tätergruppen drangsaliert worden war, konnten Verwechslungen und Ungenauigkeiten in der Aussage des 79-Jährigen nicht ausgeschlossen werden.

Auf Antrag der Saatsanwaltschaft sollen jedoch bei einem neuen Termin weitere Zeugen gehört werden. Dem alten Herrn bleibt allerdings ein nochmaliges Erscheinen vor Gericht erspart: Seine Aussage wird dann im allgemeinen Einverständnis verlesen.

Von Karl Schönholtz

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