Tag der hessischen Justiz: Offene Türen und Schauverhandlungen im Amtsgericht Bad Hersfeld – Großes Interesse

Gericht ganz nah und fast wie echt

Gericht im Fernsehen, aber kein Reality-TV: Per Videokonferenz können beispielsweise Familiensachen mit Beteiligten an verschiedenen Orten verhandelt werden. Richterin Heidrun Mondl (rechts) demonstrierte dies anhand eines Scheidungsverfahrens. Fotos: Schönholtz 

Bad Hersfeld. Es war alles wie in einem richtigen Strafprozess, als Richter Elmar Schnelle gestern das Urteil über eine junge Ladendiebin fällen musste. Nur die angeblich Wohnadresse der Angeklagten – Dudenstraße 10 in Bad Hersfeld – verriet den Schau-Charakter der Verhandlung, denn das ist die Anschrift des Amtsgerichts.

Dort waren gestern zum „Tag der hessischen Justiz“ fast alle Türen weit offen für Besucher, die sich für Aufgaben und Dienstleistungen der für den gesamten Landkreis Hersfeld-Rotenburg zuständigen Behörde interessierten.

Schauverhandlungen wie die von Richter Schnelle waren dabei sehr gefragt, denn die Fälle, um die es ging, waren abgesehen von den Namen authentisch. So ging es vor dem Jugendgericht von Direktorin Michaela Kilian-Bock um eine Körperverletzung in einer Diskothek – hier wurde der Angeklagte zum Erstaunen des Publikums in Handschellen vorgeführt –, und Richterin Heidrun Mondl demonstrierte anhand eines Scheidungsverfahrens die Möglichkeiten der Videokonferenz, wenn die Beteiligten an verschiedenen Orten wohnen. Diese Technik nutzte am Nachmittag auch Staatssekretär Rudolf Kriszeleit, um vom Hessischen Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz in Rotenburg, wo ebenfalls ein „Tag der offenen Tür“ stattfand, Grüße nach Bad Hersfeld zu schicken.

Einer, der sich auskennt

Dass Justiz mehr ist als Urteil und Strafe, das war beim Gang durch das Haus an zahlreichen Infoständen und in Abteilungen wie dem Grundbuch, den Registern, bei den Rechtspflegern, den Anwälten und beim Rückblick auf die Rotenburger und Hersfelder Gerichtsgeschichte zu erleben. Referent des historischen Vortrag war einer, der sich besonders gut auskennt: Der ehemalige Direktor Hermann Eimer, der im Mai in den Ruhestand gegangen war.

Mit dem „Tag der offenen Tür“ präsentierte sich erstmals das seit Jahresbeginn mit dem aufgelösten Rotenburger Standort vereinte Amtsgericht Bad Hersfeld der breiten Öffentlichkeit. Zuletzt hatte ein solcher Publikumstag vor 20 Jahren stattgefunden. Der „Tag der hessischen Justiz“ war nun willkommener Anlass, die eigentlich überfällige eigene Veranstaltung auf diesen Termin zu legen.

Direktorin Kilian-Bock hatte bereits im Vorfeld das hohe Engagement des Personals für diese Möglichkeit der positiven Selbstdarstellung gewürdigt.

Fortbildung anders

Die Resonanz war gestern entsprechend: Bereits am Vormittag strömten die Besucher ins Gerichtsgebäude. Mehrere Schulklassen hatten die Gelegenheit genutzt, sich an diesem Tag auf eine etwas andere Art und Weise fortzubilden und im Gerichtssaal das nachzuempfinden, was sich auch in der Realität in unserer unmittelbaren Umgebung genau so abspielt.

Von Karl Schönholtz

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