Riesenrad-Interview mit den Landrats-Kandidaten – Heute: Jörg Brand (unabh.)

Geradeaus statt im Kreis

Lieber geradeaus: Für unsere Zeitung nahm der unabhängige Kandidat für das Landratsamt, Jörg Brand aus Bebra, trotzdem gern im Riesenrad Platz. Aber eigentlich mag er es nicht, sich im Kreis zu drehen. Foto: Struthoff

Herr Brand, bei Ihnen daheim in Bebra feiert man gern Kirmes, aber so ein schönes Riesenrad haben Sie da nicht?

Jörg Brand: Leider nein! Aber unsere Kirmes macht auch so viel Spaß. Ich feiere sehr gern mit, vor allem jetzt, wo es mit Bebra wieder deutlich bergauf geht und wir daher auch allen Grund zum Feiern haben.

Bei den Heimatfesten scheint mir der Kreis noch etwas gespalten: Strandfest in Rotenburg, Kirmes in Bebra und eben Lolls. Welche Beziehung haben Sie zum Lullusfest?

Brand: Eine enge Beziehung. Ich habe schon früher gern mal meine Freundin über Lolls geführt. Und auch jetzt mit meiner Verlobten komme ich gern hierher und erfreue mich am Feuer und dem schönen Riesenrad. Lolls ist für den ganzen Kreis eine tolle Sache!

Bei der Landratswahl sind Sie der einziger Kandidat aus dem nördlichen Kreisteil. Sind Sie dort also im Vorteil?

Brand: Ich glaube, das spielt keine große Rolle. Die Zeiten, als die Kreisteile gespalten waren, sind vorbei. Trotzdem finde ich, dass jeder selbst entscheiden soll, ob er ein Hersfelder oder ein Rotenburger Kennzeichen hat. Es ist gut, wenn man sich mit seiner unmittelbaren Heimat identifiziert.

Haben Sie ROF am Auto?

Brand: Nein, nichts gegen ROF, aber ich will mit HEF auch signalisieren, dass ich Politik für die Menschen in ganzen Landkreis machen will.

Sie sitzen für die FWG im Kreistag, kandidieren aber als Unabhängiger. Sind ihnen die Freien Wähler nicht frei genug?

Brand: Sie sind frei genug, aber als Landrat sollte man sehr unabhängig sein und eine Partei-übergreifende Politik machen. Ich will nicht Partei-hörig sein. Ein freier Kandidat hat mehr Chancen, Mehrheiten auch über Parteigrenzen hinweg zu beschaffen.

Sie haben sich unlängst gegen eine Zentralisierung der Notruf-Leitstellen ausgesprochen. Ist das ein Wahlkampfthema?

Brand: Wohl eher nicht. Aber wir sollten derartige Überlegungen aus Wiesbaden von vornherein ablehnen und statt dessen hinter unseren Leitstellen stehen. Sie machen rund um die Uhr sehr gute Arbeit. Wir sollten froh sein, dort Leute zu haben, die sich wirklich vor Ort auskennen.

Auf welche Themen setzen Sie sonst im Wahlkampf?

Brand: Ich habe viele Themen, die ich gern angehen möchte. Zunächst Suedlink: Es ist eine Unverschämtheit, wie Tennet mit den Bürgern umgeht. Die vorgelegten Trassenplanungen, die einfach über Ortsteile hinweggehen, kann ich nicht akzeptieren, zumal ich ja selbst aus dem Bereich Bau und Planung komme.

Und sonst?

Brand: Die Flüchtlingspolitik ist ein wichtiges Thema, das uns noch lange begleiten wird. Der Kreis muss dabei mehr Unterstützung vom Land erhalten, um nicht auf den Kosten sitzenzubleiben. Das ist eine Bundes- und Landesaufgabe, und wir brauchen das Geld, um hier vor Ort auch eine erfolgreiche Integration bewerkstelligen zu können. Die Kommunalfinanzen sind natürlich generell ein Thema, auch hier brauchen die Kommunen eine bessere Finanzausstattung durch das Land.

Ist für Sie auch die Klinikfusion ein Wahlkampfthema?

Brand: Natürlich, wobei ich absolut für eine kreisinterne Lösung mit Klinikum, HKZ und Kreiskrankenhaus bin. Derzeit läuft die Diskussion aber in eine falsche Richtung, weil der Eindruck erweckt wird, der Landrat habe darüber allein zu entscheiden. Das stimmt aber nicht. Der Landrat muss die Kreistagsabgeordneten transparent und umfassend informieren. Die Entscheidungen aber trifft der Kreistag. Schnellschüsse darf es hier nicht geben. Die Menschen müssen die Gewinner sein.

Im Kreistag fallen Sie häufig – verzeihen Sie mir das Wortspiel – durch sehr leidenschaftliche „Brand-Reden“ auf in denen Sie gern austeilen und auch mal Ausflüge in die Weltpolitik unternehmen. Werden Sie auch im Wahlkampf auf diese Art für Zündstoff sorgen?

Brand: Nein, definitiv nicht! Alle vier Kandidaten sind sich einig, dass wir uns in der Sache auseinandersetzen, aber uns nicht gegenseitig angreifen. Das ist auch kein guter Stil. Denn wir wollen und müssen ja später im Kreistag wieder zusammenarbeiten.

Auch Ihre Mitbewerber äußern sich ja ähnlich moderat. Mit wem von den Dreien würden Sie denn gern eine Runde im Riesenrad drehen?

Brand: Ehrlich gesagt, habe ich so meine Probleme, mich im Kreis zu drehen, denn ich gehe eigentlich lieber geradeaus. Wer also mit mir geradeaus gehen und Themen anpacken will, der ist herzlich willkommen. Mein Grundsatz ist: Andere reden, ich handele.

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