26-Jähriger mit zwei Kilo Haschisch erwischt: Gericht versagt Bewährung

Gepokert und verloren

Bad Hersfeld. Eigentlich hatte der Angeklagte alles richtig gemacht, um das Gericht milde zu stimmen. Schon bei seiner Festnahme am 30. September vergangenen Jahres auf einem Parkplatz bei Reilos hatte der 26-Jährige Hersfelder zugegeben, Eigentümer jener im letzten Moment noch fortgeworfenen Plastiktüte zu sein, in der sich 19 Platten Haschisch mit einem Gesamtgewicht von 1,9 Kilogramm befanden.

Namen und Kontakte

Weitere 200 Gramm, so hatte er den Polizisten ebenfalls gleich mitgeteilt, würden sie bei der Durchsuchung seiner Wohnung im Helfersgrund finden. Auch im Folgenden kooperierte der aus Polen stammende Deutsche, berichtete von der Übergabe des Rauschgiftes in Bebra, nannte die Namen seiner Kontakte und Lieferanten.

Reinen Tisch gemacht

Gestern vor dem Schöffengericht machte der junge Mann weiter reinen Tisch, gab zu, dass er mit dem in Kommission übernommenem Haschisch Handel treiben wollte, erzählte von seiner eigenen Sucht und erklärte sich dazu bereit, eine Therapie zu absolvieren. Aus seinem bisherigen Umfeld hat er sich gelöst, ist umgezogen und hat eine neue Arbeit gefunden.

All diese mildernden Umstände verkannten Richter Michael Krusche und die beiden Schöffen keineswegs, doch für die sowohl von Staatsanwalt Werner Stock wie auch von Verteidiger Christian Kusche beantragte Bewährungsstrafe für den erstmals mit Rauschgift aufgefallenen Täter reichte es nicht.

Zwei Jahre und sieben Monate Freiheitsentzug lautete das Urteil für gewerbsmäßigen Handel mit und Besitz von Betäubungsmitteln, jeweils in nicht geringer Menge. Eine Geldstrafe wegen Fahrens ohne Führerschein aus einem früheren Prozess wurde einbezogen.

Eine Strafaussetzung zur Bewährung wäre nur bei einer Haft von bis zu zwei Jahren möglich gewesen.

Ein Zeichen setzen

„Er ist in die Sache nicht reingeschlittert, sondern war sich des Risikos bewusst“, begründete Richter Krusche die überraschende Entscheidung. Bei der außergewöhnlichen Menge des sichergestellten Rauschgifts und dem professionellen Vorgehen des Angeklagten habe man ein Zeichen setzen müssen.

Der Angeklagte hat jedoch die Möglichkeit, gegen dieses Urteil vorzugehen, beispielsweise durch die Berufung beim Landgericht in Fulda.

Von Karl Schönholtz

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