Zum 25. Mal kommen „Tschernobyl“-Kinder aus Weißrussland nach Bad Hersfeld

Genießen und helfen

Alle packen mit an: Vereinsmitglieder und der Vorstand des Vereins für Internationale Jugendarbeit backen im Tegut Waffeln, um Spenden für Kinder aus Weißrussland zu sammeln. Auch nächstes Jahr sollen diese wieder zur Erholung für drei Wochen nach Deutschland kommen. Ab Mitte von links: Tegut Marktleiter Klaus Nüchter, 2. Vorsitzende Irene Adolph, 1. Vorsitzende Roswitha Alterhoff und Mitglied des Vorstandes Gertrud Kleinschmidt. Foto: Rössing

Bad Hersfeld. Besucher, die eigentlich nur schnell etwas im Tegut-Markt einkaufen wollen, empfängt an den letzten beiden Adventswochenenden der Duft von frischen Waffeln. Gut sichtbar haben sich die Mitglieder und Vorstandvorsitzenden des Vereins für Internationale Jugendarbeit Bad Hersfeld im Eingangsbereich des Marktes am Rechberggelände platziert. Ihr Ziel: Waffeln verkaufen, um Kindern aus Weißrussland auch im nächsten Sommer wieder einen Erholungsurlaub in Bad Hersfeld zu ermöglichen.

Drei Wochen Erholung

Das Projekt jährt sich 2015 zum 25. Mal. „Ohne Unterbrechung ermöglichen wir jedes Jahr 36 Kindern aus Mogilew in Weißrussland einen dreiwöchigen Urlaub in Deutschland“, erklärt Vereisvorsitzende und Prälatin in Ruhestand, Roswitha Alterhoff. Mogilew liegt an der Grenze zur Ukraine und somit im direkten Einzugsgebiet des Reaktorunfalls im Atomkraftwerk Tschernobyl, zu dem es am 26. April 1986 kam. Dass Hilfe für die Menschen vor Ort weiterhin nötig sein wird, weiß Alterhoff: „Der Fallout betraf damals vor allem Weißrussland. Ein Drittel des Landes ist verstrahlt – und wird es noch für zehntausende Jahre sein.“

Gut für die Gesundheit

Die Leiterin der Gruppe aus Weißrussland ist Ärztin. Sie bestätigt, dass drei Wochen in unserer Region mit frischer Luft und gesundem Essen den Kindern zu einem erheblichen Gesundheitsschub verhelfen. „Wir sehen es auch jedes Jahr selbst“, bekräftigt Alterhoff, „die Kinder kommen mit blassen Gesichtern an und reisen mit viel mehr Gesichtsfarbe ab.“ Es rühre sie jedesmal zu Tränen, wenn sie die Kinder über die Wiesen tollen sehe, etwas, was diese zu Hause aufgrund des verseuchten Bodens nicht dürften. Leider müsse der Verein aber auch immer mit politischen Schranken und „Schikanen“ von Seiten der weißrussischen Diktatur rechnen, aber bisher habe das Projekt letztlich immer stattfinden können.

Untergebracht sind die Kinder ab dem 24. Juni 2015 in der evangelischen Jugendbildungsstätte am Frauenberg.

Für den 25. Besuch ist das genaue Programm noch in Planung. Eine Einladung haben die Kinder aber schon von der Volkstanzgruppe Tann bekommen, die in diesem Jahr ebenfalls Jubiläum feiert. Denn einige Kinder gehören zu einer Tanzschule und führen jährlich auch selbst etwas vor.

Spaß an der frischen Luft

Weiterhin werden die Kinder jedes Jahr von örtlichen Gastwirten eingeladen, es geht zum Reiten oder in den Tierpark. Vereine unternehmen mit ihnen Aktionen und die Stadt spendiert Karten für die Festspiele oder fürs Schwimmbad.

Damit dies alles gelingt, sammelt der Verein das ganze Jahr Spenden und verkauft in der Weihnachtszeit selbst gebackene Waffeln.

Weitere Termine: Heute, sowie am Freitag, 19. und Samstag, 20. Dezember, ist der Stand im Tegut jeweils von 10 bis 17.30 Uhr aufgebaut.

Von Sarah Rössing

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