Festspiele ungeschminkt: Nächtliche Gesprächsrunde zum Thema Traditionen

Generationenvertrag zerbrochen

Stephan Ulrich, Rolf Sommer Markus Pfromm, Yara Hassan, Andrea Cleven, Bernd Kuschmann und Holk Freytag (von links) sprachen zu nächtlicher Stunde über Traditionen, Generationenkonflikte und Gerechtigkeit. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Leben mit der Unsicherheit – das ist nicht nur für junge Schauspieler die tägliche Realität. Sie leben von der Hand in den Mund, von einem Engagement zum nächsten, oft auch mit längeren Phasen der Arbeitslosigkeit dazwischen, in denen sie sich mit Kellnerjobs über Wasser halten. Zorn auf diese Entwicklung und diejenigen, die in der Gesellschaft das Sagen haben, erwartete Intendant Holk Freytag jedoch vergeblich, als er zu nächtlicher Stunde in einer Late Lounge der Reihe „ungeschminkt“ mit jungen und älteren Schauspielern und HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm als Medienpartner über das Thema „Generationen“ plauderte. Motto des Abends war „Was wir ererbt von unseren Vätern“.

Die junge Generation hat vielmehr gelernt, mit der Unsicherheit zu leben – aus Liebe zu einem Beruf, der viel fordert, aber auch viel zurückgibt. Man könne die Unsicherheit auch als Chance sehen, meinte Rolf Sommer und erzählte von einem griechischen Theater, in dem es gar keine Gagen mehr gibt und die Besucher gegen Naturalien eingelassen werden, in dem Schauspieler und Regisseure aber mit großer Begeisterung neue Dinge ausprobieren. Als schrecklich empfand er dagegen ein Engagement mit bekannten, aber sehr frustrierten Schauspielern in seiner Schweizer Heimat.

Offenheit, Vertrauen und Unterstützung – das erwartet die jüngere Generation von ihren Eltern. Das machten Andrea Cleven und Yara Hassan deutlich. Beide sind froh, diese Unterstützung zu erhalten. Und weil das wohl bei vielen jungen Menschen der Fall ist, gibt es auch, so hat Markus Pfromm beobachtet, weniger Generationenkonflikte, weniger Protest und Auflehnung als in früheren Jahren.

Allerdings, so hat Pfromm festgestellt, funktioniert auch der Generationenvertrag nur noch bedingt, also die Übernahme von Traditionen durch die jüngeren Menschen. Das stellt er immer wieder fest, wenn es ums Zeitungmachen und -verkaufen geht. Das Zeitungs-Abo gehört für junge Familien nicht mehr selbstverständlich zum Leben.

Auch im Theater sei der Generationenvertrag zerbrochen, sagte Stephan Ulrich. Unter anderem, weil Theater nicht mehr bereit oder in der Lage seien, ältere Schauspieler zu bezahlen. Einig war sich die Runde jedoch, dass das Zusammenwirken von Jungen und Älteren, das voneinander Lernen, bei den Bad Hersfelder Festspielen noch funktioniert.

Von Christine Zacharias

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