Schorlemmer spricht über den Wert von Freiheit

Die Generation nach dem Kampf

Einst kämpfte er, jetzt redet er darüber: Dr. Friedrich Schorlemmer über die Freiheit. Foto: Konopka

Bad Hersfeld. Wer aufrichtig beschissen sagt, der ist nicht bequem. Aber vielleicht frei. Dr. Friedrich Schorlemmer erklärte am Samstag in der gut besetzten Stadtkirche, wie ein Mensch frei wird, frei ist und frei bleibt. Dabei hangelte sich der Theologe am Beispiel Reformation entlang: „Reformation ist der Aufstand gegen jede Duckmäuserei nach oben“, sagt er.

Schorlemmer, 66 Jahre alt, hat seine persönliche Reformation erlebt: Als Bürgerrechtler hat er für Demokratie in der DDR-Diktatur gekämpft. Nun steht er in einer gesamtdeutschen Kirche und sagt: „Ich spüre, wie sich die Freiheit verflüchtigt.“

Diskussion mit Jugendlichen

„Wie fühlt es sich an, unfrei zu sein?“, fragten drei Jugendliche aus Heringen und Bosserode in einer anschließenden Diskussionsrunde, die HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm moderierte. „Das weiß ich manchmal auch nicht“, sagt der Mann, der damals für die friedliche Revolution kämpfte, aber den heutigen Notendruck in der Schule, „diese Plage“, nicht bekämpfen will: „Dafür müsst ihr selbst kämpfen“, sagt er, „ich habe ausgekämpft.“

Kraft für den Aufstand

Wer den Aufstand für die Freiheit wagt, braucht Kraft. Das wusste Luther, das weiß Schorlemmer. Sie haben gegen Ablass und Mauern und für die äußere Freiheit der Gemeinschaft gerungen. Wenn Jugendliche heute für Freiheit in den Ring treten, dann für ihre innere: Wenn sie sagen, dass sie Rauchen nicht schick finden wie der Rest der Clique. Frei sein, sagt Schorlemmer und wippt dabei mit den Füßen, ist wie fliegen. Es ist eine Metapher, die Kraft hat. Fliegen können die Menschen nicht von Natur aus. Sie müssen es lernen, und sind sie erst oben, schweben sie wie auf Wolken. „Oder stürzen ab“, wispert eine Frau im Publikum. Schorlemmer predigt, die Menschen applaudieren und die Glocken läuten wie ein Nicken von oben. (spi)

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