Zu Besuch beim Public Viewing in der Schilde-Halle

Gemeinsam statt einsam

Gemeinsames Gucken ist gefragt: Beim Spiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal war die Schilde-Halle am Montagabend so gut besucht, dass zwischenzeitlich ein Einlassstopp herrschte. Fotos: Marth

Bad Hersfeld. Leichtes Kopfschütteln und ein entschuldigendes Lächeln: Immer wieder dieselbe Reaktion. „Entschuldigung, sind hier noch zwei Plätze für uns?“ – „Nein, wir halten frei, da kommen noch Leute.“ Was die Schlange draußen andeutet, setzt sich drinnen nahtlos fort. Alles voll, Public Viewing hat seinen Reiz nicht verloren.

Das zumindest zeigte ein Besuch der Schilde-Halle am Montagabend, wo die Begegnung Deutschland gegen Portugal auf großen Leinwänden übertragen wurde. Draußen bildete sich früh eine meterlange Schlange. Drinnen war schon eine Dreiviertelstunde vor dem Anpfiff an den Bierzeltgarnituren kaum noch ein Sitzplatz zu erhaschen.

Das gemeinsame Gucken in der Öffentlichkeit: Für Ulrike Eifler und ihren Mann gehört das zu großen Fußball-Turnieren einfach dazu. Vor dem Anpfiff stärken sie sich mit Steak, Brötchen und Bier für die Partie – die folgenden 90 Minuten könnten schließlich nervenaufreibend werden. „Wir haben das in den letzten Jahren öfter gemacht“, erzählt die Bad Hersfelder Lehrerin. „2006 waren wir zum Beispiel in der Reithalle dabei. Das fand ich wirklich richtig toll.“

Während sich Eifler einige Minuten vor dem Anpfiff konzentriert der großen Leinwand unter dem Hallendach widmet, hat die Gruppe junger Frauen am Nebentisch ganz andere Sorgen. Ein paar Freundinnen, die noch draußen stehen, dürfen nicht hinein. „Seit Viertel vor fünf sind wir schon hier“, erzählt Franziska Müller-Siebert. „Da hatten wir noch freie Platzwahl.“ Inzwischen sieht dies nun ganz anders aus. Die Halle ist so gut besucht, dass zumindest vorübergehend ein Einlassstopp herrscht.

Überall Schwarz-Rot-Gold

Mit so vielen Besuchern haben vermutlich selbst die Veranstalter nicht gerechnet, neben dem Innenraum ist auch der angegliederte Biergarten voll. Dass dabei kaum ein Quadratmeter bleibt, auf dem nicht irgendetwas Schwarz-Rot-Goldenes zu sehen ist, versteht sich eigentlich von selbst. Hüte, Ohrringe, Haarschmuck Marke Eigenbau – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Ganz besonders in Schale geworfen hat sich auch Manuela Ruppel. In der Halbzeitpause zeigt die Hersfelderin stolz ihre schwarz-rot-goldenen Pumps.

Bei so viel symbolischer Unterstützung kann die Deutsche Elf wohl gar nicht anders als ihre Fans mit einer starken Leistung zu belohnen. Und als das Spiel in der zweiten Halbzeit nicht mehr allzu viel Spannung bietet und einige Grundschüler sich dazu entschließen, nun lieber selbst draußen zu kicken, hebt Bundestrainer Löw persönlich noch einmal die Stimmung: Shkodran Mustafi, gebürtiger Hersfelder, bekommt seine ersten WM-Spielminuten.

Großer Jubel hallt durch die Schilde-Halle und das Kribbeln, von dem der Bundestrainer am Tag zuvor sprach, ist auch in Bad Hersfeld irgendwie zu spüren. Wenig später macht die erste „La Ola“ die Runde und spätestens jetzt wird beim Blick in zahlreiche zufriedene Gesichter klar: Public Viewing hat seinen Reiz nicht verloren. Auch in der Kulturscheune in Gittersdorf herrschte volles Haus. Dort hatten die evangelische Kirchengemeinde, der Heimatverein und die Feuerwehr ein Fußballfest vorbereitet. Andernorts wurde ebenfalls gemeinsam beim Fußball schauen gefeiert.

Von Kristina Marth

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