Festspielkonzerte: Kollektiver Triumph für Mendelssohns „Elias“-Oratorium

Gemeinsam sind wir stark

Die 54. Bad Hersfelder Festspielkonzerte sind am Wochenende mit einem Mendelssohn-Programm eröffnet worden. Eine beeindruckende Leistung boten Festspielchor, Orchester und Solisten beim Oratorium „Elias“ in der Stiftsruine. Foto: Michael Brossart

BaD Hersfeld. Der alte Goethe war eine Leitgestalt des jungen Felix Mendelssohn. Der hat ihn mehrmals in Weimar besucht. Der alte Goethe, ja der kannte sich aus mit dem Leben und seinen geheimen Kräften. „Im Atemholen sind zweierlei Gnaden: / Die Luft einziehen, sich ihrer entladen; / Jenes bedrängt, dieses erfrischt; / So wunderbar ist das Leben gemischt.“ So beginnt das Gedicht „Im Atemholen“, genauer der Schlussspruch der fünfteiligen Reihe „Talismane“ aus der Sammlung „Der West-Östliche Divan“.

Atemholen, eine Nebensächlichkeit und doch am lebensnotwendigsten. Auch fürs Singen. Welch ein Erlebnis, wenn die 120 Sänger des Hersfelder Festspielchores wieder einmal um ihr Leben singen –jedenfalls nach der Maßgabe des Stückes. Das war am Sonntagnachmittag in der Stiftsruine Mendelssohns Oratorium „Elias“ mit den chorisch, solistisch und orchestral mächtig aufgeladenen Episoden um den biblischen Propheten in seinem Eifer und Zorn, seiner Wundertätigkeit, Weltflucht und Gottergebenheit.

Dramatischer Hilferuf

Wie ein Bollwerk stehen sie da, die Chorsänger, breit gestaffelt auf dem Riesenpodium und wie von einem Atem getragen, der sie zum dramatischen Hilferuf treibt, zur klingend brennenden Fackel entzündet, zum engelsgleich reinen Gotteslob und zum strömenden Dankgesang beflügelt. Man ist solche Chordarbietung hier gewohnt, was das Staunen nicht hindern sollte über so viel Talent, Mühe, Anpassung, Konzentration, Exaltation, so viel Körperbeherrschung und wohl auch innere Anteilnahme.

Professor Siegfried Heinrich zeigt sich als Dirigent (letzte „Elias“-Einstudierung 2008) wieder von unversiegbarer geistiger Frische, Antriebs- und Koordinationsenergie. Er hat ein in Bad Hersfeld hoch geschätztes Solistenquartett zur Hand, das viel klangliche Atmosphäre einbringt: Sylvia Bleimund ergreift von der Sopranpartie intensiv, beklemmend und innig zugleich Besitz, Anna Retczak stattet die Altpartie mit edler Linie und schlichter Würde aus. Besonders erfreulich die Entwicklung, die Tenor- und Basssolist nehmen: Stephan Scherpe mit heller Tönung, leichter Höhe und geschmeidiger Kantilene, Johannes Wollrab, dem der Elias-Part hörbar ein Anliegen ist, was er mit intelligenter Einfühlung und wohlklingender Deklamation bezeugt. Beim Regenwunder hat er zwei Knaben, singend mit sanftem mütterlichem Beistand, zur Seite.

Verlässliche Größe

Gemeinsam sind wir stark. Das gilt wie für die Singabteilungen auch fürs Orchester. Die Sinfonia Silesia Kattowitz erweist sich erneut als feste, verlässliche Größe im Festspiel-Konzertgeschehen und leuchtet die reiche, mit ein paar schmerzlichen Kürzungen versehene Partitur farbig aus. Starker, anhaltender Beifall der rund 800 Besucher und viele Sommerblumensträußchen.

Von Siegfried Weyh

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