Montagsinterview mit Pröpstin Sabine Kropf-Brandau zur Kirchenvorstandswahl

Gemeinsam Kirche leiten

Pröpstin Sabine Kropf-Brandau hofft auf eine gute Wahlbeteiligung bei der Kirchenvorstandswahl am 29. September und ermutigt alle evangelischen Christen , von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Foto:  Zacharias

Hersfeld-Rotenburg. Die Bundestags- und Landtagswahlen sind gelaufen, und auch Bebra hat einen neuen Bürgermeister. Zahlreiche Menschen im Kreis werden jedoch am kommenden Sonntag, 29. September, noch einmal an die Urnen gerufen. Dann werden die Kirchenvorstände der evangelischen Gemeinden gewählt. Über die Aufgaben der Kirchenvorsteher, die Wahl und das neue Angebot, erstmals online seine Stimme abzugeben, sprachen wir mit Pröpstin Sabine Kropf-Brandau.

Wozu brauchen wir Kirchenvorstände. Welche Aufgaben haben sie?

Pröpstin Sabine Kropf-Brandau: Kirchenvorstände haben die Aufgabe mit dem Pfarrer gemeinsam die Kirche zu leiten. Die Kirche wird also nicht von der Hierarchie geleitet, sondern von unten. Damit ist die Kirche nicht nur eine der ältesten sozialen, sondern eine ganz alte demokratische Institution.

Seit wann gibt es Kirchenvorstände?

Kropf-Brandau: Schon in der Bibel ist die Rede von Ältesten, die die Gemeinde leiten. In der Geschichte der protestantischen Kirche gab es immer den Gedanken, dass mehrere miteinander die Gemeinden leiten. Deutlich entwickelt wurde das dann in der Ziegenhainer Zuchtordnung, die im Jahr 1539 unter Martin Bucer entstanden ist.

Wie wird in den Kirchenvorständen gearbeitet?

Kropf-Brandau: Im Kirchenvorstand wird eine demokratische Kultur gepflegt, die auf Fraktionsbildung verzichtet. Man versucht, so lange miteinander im Gespräch zu sein, bis man eine einmütige Entscheidung treffen kann, die von allen mitgetragen wird. Es kann aber natürlich auch Gegenstimmen geben.

Ein Kirchenvorstand entscheidet übrigens auch über die Pfarrstellenbesetzung und ist verantwortlich für die Gestaltung, Förderung und Weiterentwicklung der Kirchengemeinde. .

In den meisten Gemeinden gab es ja Probleme, Kandidaten in ausreichender Zahl zu finden. Woran lag das?

Kropf-Brandau: Es war noch nie leicht Kirchenvorsteher zu finden. Ich glaube, es hat verschiedene Gründe. Es werden ja nur alle sechs Jahre Kirchenvorsteher gewählt und sich für sechs Jahre binden, das ist eine lange Zeit für Menschen, die heute sehr mobil sind. Wir haben in den Kirchengemeinden keine Probleme, Menschen für begrenzte Projekte zu finden.

Zudem haben wir ja immer noch die Grenze bei 70 Jahren, die von der Landessynode so gehalten wurde. Das hat es noch mal erschwert, weil viele Menschen rausgefallen sind, die nicht mehr kandidieren können.

Manche Leute, die gerne kandidieren würden, haben einfach Sorge, dass sie nicht gewählt werden und dann damit umgehen müssen. Nicht gewählt zu werden, tut auch weh! Diese Menschen muss man dennoch einbinden. Neben dem Kirchenvorstand gibt es zum Beispiel Arbeitsgruppen oder Ausschüsse.

Was könnte man sonst noch tun, um das Ehrenamt Kirchenvorstand attraktiver zu machen? Wäre es eine Möglichkeit, die Wahlperiode zu verkürzen?

Kropf-Brandau: Ich glaube, dass eine attraktive Kirchengemeinde, die nach außen wirkt, auch Menschen anzieht.

Die Wahlperiode zu verkürzen ist ein schwieriges Unterfangen, weil so eine Kirchenvorstandswahl viel Zeit und Kraft und Geld kostet. Das alle drei Jahre zu machen, halte ich für schwierig.

In diesem Jahr gibt es erstmals die Möglichkeit, Online zu wählen. Was erwarten Sie sich davon?

Kropf-Brandau: Mit der Online-Wahl sind wir als Landeskirche überhaupt die ersten. Und es wird gut angenommen. Bis Freitag hatten schon 58 261 Menschen gewählt, das sind 7,4 Prozent der Wahlberechtigten.

Diesmal dürfen auch zum ersten Mal Jugendliche ab 14 Jahren wählen. Wir glauben, dass es wichtig ist, dass die ganze Bandbreite der Gemeindeglieder, ob sie der Kirche ganz eng verbunden sind oder ob sie ein distanziert-positives Verhältnis zu ihrer Kirche haben, die Möglichkeit hat, eine Stimme abzugeben. Vielleicht erreichen wir durch die Online-Wahl auch die etwas distanzierteren Menschen

Wie sieht es aus mit Sicherheit und Manipulationsmöglichkeiten?

Kropf-Brandau: Uns wurde zugesichert, dass das Risiko der Manipulation sehr gering ist, dass eine größtmögliche Sicherheit aufgebaut ist. Seit gestern ist die Online-Wahl beendet, damit die Ergebnisse noch in die Gemeinden transferiert werden können.

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Von Christine Zacharias

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