Türkische Frauenrechtlerinnen besuchen Frauenhaus und Ikuz in Bad Hersfeld

Gemeinsam gegen Gewalt

Gegenseitiges Interesse: Die Arbeit der Vertreterinnen des Solidaritätsvereins der Frauen Mor Salkim aus dem Türkischen Bursa interessierte die Mitarbeiterinnen des Interkulturellen Zentrums in Bad Hersfeld ebenso wie umgekehrt die Angebote zu Integration und Völkerverständigung, die im Ikuz geleistet wird. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Mor Salkim ist eine Blume, die auch unter widrigen Umständen blüht. Diesen Namen hat sich der Frauen-Solidaritätsverein aus dem türkischen Bursa gegeben, um Frauen Mut zu machen, wenn sie unter Gewalt in der Ehe leiden, wenn sie oder ihre Töchter zwangsverheiratet werden sollen, missbraucht oder vergewaltigt worden sind. Zwei Vertreterinnen von Mor Salkim sind zurzeit in Nord- und Osthessen unterwegs, um sich über Frauenprojekte zu informieren. In Bad Hersfeld besuchten sie das Frauenbüro, das Frauenhaus und die Beratungsstelle sowie das Interkulturelle Zentrum.

Vier Frauenhäuser

Burcu Üzümcüler und Iclay Polak engagieren sich bereits seit Jahrzehnten für die Rechte der Frauen. Vor drei Jahren haben sie gemeinsam mit anderen den Verein Mor Salkim gegründet, der Beratung und Unterstützung für Frauen in Krisensituationen anbietet. In Bursa gebe es zwar vier Frauenhäuser, die vom Staat beziehungsweise der Stadt getragen würden, doch gebe es keinerlei Unterstützung für die Frauen und ihre Kinder, wenn sie die geschützten Häuser wieder verlassen. Hier springe Mor Salkim ein mit allem, was für die Frauen nötig sei, erläuterte Üzümcüler.

Neben der Beratung und praktischen Hilfe für Frauen und Mädchen ist es den Aktivistinnen aber auch wichtig, politisch zu arbeiten und immer wieder auf Frauenrechte, beziehungsweise überall gegenwärtiges Unrecht wie Kinder- und Zwangsehen oder Ehrenmorde aufmerksam zu machen.

Nach Hessen gekommen sind die beiden Frauenrechtlerinnen aus der hessischen Partnerregion Bursa auf Einladung von Violeta, einer Jugendhilfeeinrichtung im Vogelsbergkreis. Deren Geschäftsführerin Elvira Mühleck hat gemeinsam mit Mitstreiterinnen ihrerseits im vergangenen Jahr die Türkei besucht. Neben den Frauenhilfeeinrichtungen in Bad Hersfeld stehen noch bis zum 25. Juni weitere Einrichtungen in der Stadt Fulda, sowie in den Landkreisen Fulda, Vogelsberg und Hersfeld-Rotenburg auf dem Programm.

Gegenseitig informieren

Sehr beeindruckt zeigten sich die Besucherinnen aus der Türkei vom Konzept des Interkulturellen Zentrums in Bad Hersfeld, das sowohl zwanglose Anlaufstelle für Migranten aus verschiedenen Ländern ist als auch Hilfe und Unterstützung bei Problemen des täglichen Lebens und beim Deutschlernen anbietet. Ein weiteres Anliegen des Ikuz ist es, dass Deutsche und Migranten sich gegenseitig über ihre Kulturen informieren. Dazu finden regelmäßig interkulturelle Abende statt. Üzümcüler und Polak überlegen nun, eine vergleichbare Einrichtung in Bursa ins Leben zu rufen.

Von Christine Zacharias

Kommentare